Freitag, 10. April 2009

Kraut und Rüben

In den letzten Tagen war wirklich viel los. Über meine Tage in McLennan möchte ich schreiben, wenn ich etwa mehr Zeit habe; vorerst ein kurzer Bericht meiner Heimreise von McLennan über Fort Vermilion nach Chateh.
Monika, Klaus und ich besorgten mit unseren Trucks die Anreise zweier neuer Priester nach Fox Lake - besser gesagt: Wir brachten die beiden zum Flughafen nach Fort Vermilion. F. Mariana wird die nächsten 6 Jahre in Fox Lake arbeiten und F. Clifford wird ab Mitte Juni in Chateh sein, wo wir zusammen noch etwa 10 Tage sein werden (ich werde ihn in die "Geheimnisse" ein wenig einführen - Schlüssel, Gebäude, Leute, Umgebung u.u.u.). Vorher werden die beiden noch ein dreiwöchiges Seminar in Edmonton besuchen.
Nun aber zu unserer Reise - es ist eine Tatsache - Entfernungen definieren sich hier in der Gegend komplett anders - ich war am Ende dieses Tages über 700km unterwegs. Am beeindruckendsten war die Passage über die gerade noch für den Verkehr bedingt (6,5 Tonnen - obwohl vor uns ein Lastzug die Brücke passierte) zugelassene Eisbrücke über den Peace River auf dem Weg von Paddle Prairie direkt nach Fort Vermilion:

Nachher ging es noch etwa 80km bis zum Flughafen in Fort Vermilion. Auch ein nettes Erlebnis: Das erste mal fuhr ich mit einem Auto auf ein Flugfeld zu dem Flugzeug, um es zu beladen. 300 Pfund waren zusätzlich zu den beiden Passagieren zugelassen. Ein paar Dinge mussten sie hier lassen; die kommen mit dem nächsten Flug mit. Und hier ist mein erster "großer Film" :-))

Und wenn sich wer über den verwackelten Start beschwert: Versucht doch mal mit der größten Zoomstufe ein Flugzeug zu verfolgen - da braucht man schon ein ruhiges Handerl.
God bless you

Donnerstag, 9. April 2009

Bei den Schwestern in Jon D´or Prairie

Letzte Woche am Montag war ich Jon D´or Prairie, einer Reserve der Cree. Zuerst feierte ich mit der Gemeinde die Hl. Messe und anschließend bot ich Beichtgelegenheit, zuerst einmal den Erskommunionkindern, dann aber auch einigen Erwachsenen.

Zuerst ist mal eines zu sagen: Was die Schwestern dort in den letzten fast 40 Jahren geleistet haben, ist nahezu heroisch zu bezeichnen. Unter den an sich schwierigen Verhältnissen einer Native Community konnten sie ein lebendiges Pfarrleben mit der Bevölkerung entwickeln (natürlich darf man sich darunter nicht das gleiche wie bei uns vorstellen - zu verschieden sind da die Mentalitäten der Menschen) - z. B. findet an jedem Abend eine andere Vorbereitung statt (Tauf-, Ehe-, Firmvorbereitung) bzw. Bibelabend oder auch Alpha-Kurs (eine Art Basiseinführung in den christlichen Glauben). Bewundernswert ist auch, dass sie mit den Menschen dort eines der interessantesten Kirchengebäude im ganzen Norden Kanadas bauen konnten.

Wenn ich recht verstanden habe, kamen die Schwestern als Lehrerinnen gleichzeitig mit den ersten Siedlern in diese Region und bauten die Schule auf. Am Anfang, erzählten sie, war dort gar nichts. Die Cree dort wurden angesiedelt, weil eine andere Reserve (Fox Lake) für die wachsende Bevölkerung zu klein wurde.

Die Schule wird nun von den Aboriginal People selbst geleitet und im Gegensatz zu den Dene Thá kommen die meisten Lehrer auch aus der eigenen Bevölkerung.

Die beiden Schwester gehören der Ordensgemeinschaft der Santa Christiana Schwestern an, die auch in Österreich vertreten sind; und zwar in Wien Rodaun und meines Wissen in Frohsdorf im Burgenland und in Wiener Neustadt, wo sie jeweils ein Schulzentrum betreiben. Im Übrigen eine entferntere Verwandte (die Cousine meiner leiblichen Mutter) gehört auch dieser Ordensgemeinschaft an und war auch eine Zeitlang mal Leiterin des Ordens in Österreich. Witzig war, wie die beiden erzählten, dass sie erst vor ein paar Jahren anlässlich eines weltweiten Treffens ihrer Ordensgemeinschaft bei einem meiner weiteren Verwandten in dessen Restaurant in Tattendorf essen waren - also werte Leserinnen und Leser: Wenn sie meinen, es gäbe einen Winkel in der Welt, wo sie sicher keiner kennt, bzw. keinerlei Verbindung mit ihnen bestehen würde - glauben sie mir: diesen Winkel gibt es NICHT.

So könnt ihr Euch noch ein paar Bilder anschauen ... sie sind es wert


God bless you

Montag, 6. April 2009

Wie gesagt - FRÜHLING


Einheimische finden folgendes sinnlos im Norden Albertas: Windschutzscheiben wechseln und Auto waschen. Und was Einheimische sagen, muss man ernst nehmen.
Nun gut: am obigen Film dürfte es wahrscheinlich ersichtlich sein: Ich habe mir eine Dummheit vergönnt und eine Videokamera gekauft - hat wohl mit Tasche a plenty Bucks gekostet, aber andererseits - es ist ja April *hihihi* (und die Kaffeemaschine, die ich mir zum 40er vergönnt habe, war sicher teurer) . Jedenfalls habe ich wieder ein nettes Spielzeug und die nächsten paar Wochen werde ich wieder ein paar Filme auf Youtube unterbringen.
Was natürlich zu erwähnen ist: So eine Kamera (noch dazu schon etwas besseres) kriegt man natürlich nicht so in High Level bei Source oder im Extra Food - da war wieder ein Ausflug nach Edmonton fällig (vom 1. - 4. April - davon muss man sowieso 2 Tage fahren - also bleiben nur 2 Tage Aufenthalt). Ich war nicht alleine, Sr. Rose besuchte ein paar Verwandte und weiters hatten wir auch gemeinsam einige Besorgungen im Church Supply zu machen (Geschenke für die Erstkommunionkinder in Meander River, Assumption and Rainbow Lake). Ich wollte additionally noch ein paar Ministrantengewänder für Rainbow Lake auch mitnehmen, musste aber einsehen, dass es von mir etwas naiv gedacht war, einfach in den Devotionalienmarkt zu gehen, und ein paar Altar server gowns mitzunehmen, noch dazu in der passenden Größe - wie gesagt naiv - hätte ich auch in Wien wahrscheinlich so schnell nicht bekommen. Lustiger war dann schon, dass sie nicht mal Brustkreuze für die Ministranten hatten, oder besser gesagt: zu wenige und noch dazu in zwei verschiedenen Ausführungen (ein Lieferant in Quebec, der andere gar in Frankreich - von der Machart müsste es aber jeder 4. Klassler von der Hauptschule bei uns auch machen können - manchmal darf man sich schon wundern).
Im Anschluss zu unserer Einkaufstour im Church Supply, lud ich Sr. Rose in die West Edmonton Mall ein (dort finde ich ziemlich schnell hin - Ecke 170th Str. and 90th Ave - das geht ruckzuck auch mit dem dreckigen Truck). Dort habe ich mir das erste mal seit ich überhaupt in Kanada bin, ein ausgiebiges europäisch anmutendes Mittagessen genehmigt (so mit 3 Gängen, mit Service, Mineralwasser mit Kohlensäure) und zwar in der Spaghetti Factory in der Mall. Natürlich habe ich die Schwester eingeladen - vor allem für sie war es eine befreiende Erfahrung (die Ordensgemeinschaft, in der sie - noch - lebt, ist ein wenig eine konfuse Gesellschaft - eine Neugründung von den Philipinen - derzeit nur bischöflich anerkannt und weltweit 12 Mitglieder).
Überhaupt West Edmonton Mall: das kann man am besten als eine Kombination von Shopping City Süd (nur 5x größer), Aquapulco Schallabach (ja, wir fahren im Spätherbst eh wieder hin), Wurstelprater, Eislaufplatz am Wiener Rathausplatz, Cineplexx und wohl einiges mehr sein - ja und ich glaube ein kleines Casino dürfte auch irgendwo versteckt sein. Es gibt sogar Hotels und Family-Packages zu buchen - IRRE - Urlaub im Einkaufszentrum!!!!!! - und das obwohl es von Edmonton zur USA-Grenze doch noch an die 800 km Luftlinie sind (ist amerikanisch so ansteckend???)
Am zweiten Tag habe ich einen ausgiebigen Stadtbummel in Edmonton unternommen - Na ja, ist eine nette Stadt, aber sie leidet irgendwie doch an ähnlichem wie Toronto (obwohl meines Wissens nicht einmal Millionenstadt) - sie hat irgendwie kein Gesicht ...
Das war übrigens mein vorletzter Trip dorthin - der letzte wird zwischen 23. und 25. Juni sein, um meinen Neffen dort abzuholen - für die große Nordlandexpedition (auf das freue ich mich schon so richtig ...)

Sonntag, 29. März 2009

Mud time - Gatsch-Zeit

Juhu - jetzt weiß ich, warum ich hohe Lederstiefel habe (eines meiner "Pfarrkinder" hat mich am Rande der heutigen Beerdigung als "General Custer" angesprochen - genau genommen will mir das nicht wirklich gefallen - das war nämlich der vom Little Big Horn - da hat er, wahrscheinlich bedingt durch Sturheit und taktischem Fehlverhalten gegen Sitting Bull Schlacht und Leben verloren - nur so zum Hintergrund) - Gatsch, Gatsch, Gatsch - die Strassen werden zu einer einzigen Gatschgrube - jetzt weiß ich, warum ich gerade jene Reifen auf dem Auto habe - weil Winterreifen im engeren Sinne sind das ja keine, sondern ganz grobstollige Geländereifen (nein, mein Auto hat hinten keine Ackerschiene, Heckhydraulik und Zapfwelle - obwohl es sehr wohl baugleiche Autos mit Fronthydraulik gibt - für ein etwaiges Schneeschild). Jedenfalls werden die nächsten Wochen sicher recht lustig werden (und es wird jede Menge zu putzen geben) - Die Tage sind jetzt schon sehr lange - Sonnenuntergang ist jetzt so um 20:25 - wir nähern uns dem Sommer - nur zur Info: in der Osternacht wird die Sonne um ca. 21:10 sich hinter dem Horizont verstecken ...

Ja - und was gibt's sonst noch? Ja, heute habe ich das erste mal Chief Ahnassy getroffen - den "Häuptling" der Dene Thá; der Mann macht mir einen ganz vernünftigen Eindruck (lebt aber - offen gesagt - nicht in Chateh sondern in Bushe River, der Dene Thá Reserve gleich neben High Level) - ich kann mir aber auch vorstellen, nach allem, was mir jetzt bekannt ist, dass es nicht unbedingt leicht ist, Chief zu sein ... - alle wollen was haben ... aber solche "Indianer" gibt es meines Wissens ja überall. Oder?

God bless you

Freitag, 27. März 2009

Jon D'or Prairie ist auf Montag verschoben ...

... aber ich habe trotzdem ein paar Bilder:
Also einmal das erste Bild: Unsere Dekanatskonferenz: mangels geeigneten Personals (F. Henry ist noch nicht richtig eingearbeitet und das ich nicht Dechant werde, versteht sich wohl von selbst - auch wenn das Angebot verlockend ... vergiss es ...) wurde Monika Schmidt bis auf weiteres mit der Leitung des Dekanates beauftragt.
Von links beginnend: Elisabeth aus High Level - sie ist die Vertreterin des Dekanates im diözesanen Pastoralrat; Schwester Jeanette von Jon D'or Prairie (die Frau ist 83 und ein Energiebündel - unvorstellbar), F. Henry, der Priester in High Level; Mr. Alacon von Rainbow Lake, hauptberuflich Manager des Maintenance Teams einer Ölfirma; Monika Schmidt von Ft. Vermillion, unsere vorläufige "Dechantin" hihihi; Schwester Bernadette von Jon D'or Prairie (diese Frau ist meines Wissens 78 - und das sieht man ihr auch nicht an); und ganz rechts, Mrs. Alacon die Schuldirektorin von Chateh und Gattin von Mr. Alacon.

Nächstes Bild: Wie gesagt, war ich bei Monika zu einem zünftigen Abendessen eingeladen. Davor feierte ich noch mit der Pfarrgemeinde in Ft. Vermillion die Heilige Messe zum Hochfest der Verkündigung des Herrn.
Also hier seht ihr mal Monika mit ihrem Gatten Klaus

und hier das, was ich eigentlich schon - sagen wir seit 9 Monaten vermisse: Einen ordentlichen zünftigen Schweinsbraten, Sauerkraut, Semmelknödel und auch ein paar Löffel Leberwurst - ich sage nur: Traumhaft!












Am Donnerstag Vormittag nutzte ich die Gelegenheit, noch ein paar Bilder vom (noch) zugefrorenen Peace River bei Ft. Vermillion zu machen - das Wasser kommt schon an manchen Stellen zaghaft durch ...

Montag, 23. März 2009

Morgen habe ich meine erste Ministrantenstunde

Und zwar in Rainbow Lake. Dort werde ich nämlich das Triduum Sacrum feiern. Und da bis jetzt nur ein Ministrant zur Verfügung stand, habe ich vor zwei Wochen weitere Kinder angesprochen und so beginne ich morgen mit 5 Kindern zwischen 7 und 12 Jahre alt mit der Einführung in den Ministrantendienst. Das wird sicher nicht so aufwändig wie in Schönbach, weil in der Kapelle in Rainbow Lake sowieso nicht allzuviel Platz ist. Ich freue mich schon drauf.

Am Mittwoch bin ich Abends in Fort Vermillion zum Abendessen bei Monika Schmidt und ihrem Mann eingeladen. Die haben glatt vor ein paar Wochen (sozusagen im Hinterhof eines Bauern) eine Sau abgestochen - und nach 3 Monaten sehr fleischreduzierter Kost gibt es morgen mal was deftiges nach Berliner Art (ich habe ihr gleich gesagt, dass ich nicht unbedingt den Lungenbraten möchte ... - ich möchte euch jetzt nicht schildern, wonach mir das Herz steht - ich sage nur: Leberknödel, Krammeln, Schweinsbraten, geröstete Nierndln ... - man darf ja noch träumen :-D)

Am Donnerstag gehöre ich dann den ganzen Tag den Schwestern in Jon D'or Prairie; Erstbeichte, allgemeines Beichthören, Abendmesse - was halt so anfällt. Ich werde dort auch einige Fotos schießen, die Kirche ist dort ein Neubau, der einem traditionellem Tipi nachempfunden ist - angeblich soll sie so exponiert in den Plains liegen, dass sich an ihr Buschpiloten orientieren...

Danach muss das Auto wieder mal zum Ölwechselservice: Es stehen in den nächsten Wochen ausgiebige Fahrten an: Edmonton, McLennan ...

Na ja, das war mal so ein kleiner Zwischenbericht für diese Woche

Bis zum nächsten mal

God bless you