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Mittwoch, 27. Mai 2009

Wieder mal was zum Lesen und zum Schauen

Die letzten Tage waren sehr bunt. Am Samstag, wie schon im letzten Blog beschrieben, ein Begräbnis in Ft. Vermilion und in Assumption Erstbeichte, am Sonntag Erstkommunionen in High Level und Assumption und am Montag das Begräbnis nach dem Motto: "The fight about the corps" - letztendlich hat Assumption gewonnen. Aber alles der Reihe nach.

Am Sonntag um 8:00 früh brachen Sr. Rose und ich nach High Level auf, um mit der dortigen Gemeinde Erstkommunion zu feiern - der zuständige Pfarrer konnte sich nicht mit Hinweis auf die Erstkommunion aus der Verpflichtung zu einem 3wöchigen Kurs in Edmonton herauswinden, und ich habe bereitwilligst schon vor ein paar Wochen der Gemeinde in High Level zugesagt, natürlich gerne ihrer Bitte, mit ihnen das Fest zu feiern nachzukommen. Die Feier war wirklich sehr gut vorbereitet, die Kinder haben brav und gut gelesen, natürlich kamen auch welche um bald 35 Minuten zu spät (15 Minuten scheinen auch in einer "Nicht-First-Nation-Gemeinde" scheinbar nicht ganz unbekannt zu sein - mit dieser Verspätung haben wir nämlich sowieso begonnen). Aber alles in allem eine nette Feier und die Leute schienen auch einigermaßen mit mir zufrieden gewesen zu sein, trotz meiner nicht zu verleugnenden Sprachmängel. Danach hieß es aber bald wieder aufzubrechen, weil in Assumption die Erstkommunion um 14:00 angesetzt war.

Sr. Rose war ein wenig besorgt, weil sie damit rechnete, dass auch unvorbereitete Kinder einfach überraschend auftauchen könnten - und irgendwie hat sie es dann doch verstanden, mich mit ihrer Nervosität ein wenig anzustecken. Aber Gott sei Dank waren auch die beiden Direktorinnen der Schule da, die wir baten, im Falle des Falles die Rolle der "Bösen" zu übernehmen. Glücklicherweise trat aber dieser Fall nicht ein. So wurde die Erstkommunionfeier in Assumption ähnlich jener in Meander River eine würdige Feier (wie es halt so unter den gegebenen Umständen halt möglich ist). Die Kinder waren sehr diszipliniert und auch couragiert (was wirklich nicht selbstverständlich ist), gaben deutliche Antworten - nur mit dem Singen ... - (ich freue mich schon auf die Erstkommunion im nächsten Jahr ...)

Nun aber einmal etwas zum Schauen:



Im Anschluss an die Feier gab es noch ein Potluck mit verschiedenem Obst, Hühnerhaxerl, und anderes.

Als Sr. Rose und ich am Abend beinander saßen, waren wir beide fast aufgekratzt - irgendwie fiel sozusagen auch eine Last von uns (in Nordamerikanischen Native Gemeinden so etwas wie in Minimum an Struktur aufzubauen, ist ein nahezu unmögliches Unterfangen - es scheint nahezu ein Sport zu sein, alles zu unterlaufen zu versuchen, was man sich nur vorstellen kann ...).

Am Montag das Begräbnis fand nun tatsächlich in Assumption statt. Es ist anzunehmen, dass es um das Ansehen der Familie ging. Eines war jedenfalls klar: einfach waren die ganzen Umstände sicher nicht. Es ist in Assumption üblich, dass die Eulogy zwischen Evangelium und Predigt eingefügt wird. Diesmal kam in der Eulogy die Verstorbene selbst zu Wort; sie hat den Text aufgesetzt - und ich sage es gleich, mich hat es fast aus die Socken gehaut: Schonungslos brachte sie alles Negative zur Sprache ohne aber dabei anklagend einen Rundumschlag auszuführen. Als ich nach der Eulogy zum Ambo gehen wollte, trat vor mir spontan Chief Ahnassy (der "Häuptling") vor das Pult und sprach in Dené zu den anwesenden - so weit ich es begriffen habe (Körpersprache, Tonfall) war es scheinbar so eine Art Intervention (die Streitereien um dem Leichnam und Eulogy aufgreifend, nehme ich mal an). Ich musste jetzt tatsächlich auf das alles in meiner Predigt spontan reagieren, und tat dies auch, obwohl ich normalerweise bei Begräbnissen hier in Kanada auf fertige Unterlagen zurückgreife. Laut Sr. Rose dürfte es aber gepasst haben.

Heute Dienstag - ja ich weiß schon, ihr steht ja jetzt bald mal auf am Mittwoch - war ich am Nachmittag mit einem jüngeren Mann ein wenig in der Gegend unterwegs: Fotos, Film ... - nicht alles konnte ich auf Festplatte bannen - z.B. den Flug des Weißkopfadlers, oder die in frisches Grün getauchten ausgedehnten Wälder - aber auch hier gibt es einen kleinen Youtube-Film - diesmal mit einem ausgewachsenen Schwarzbären als Star.



Mein "Guide" war ein paar mal schon im Pfarrhof auf Besuch, und wir hatten mal ausgemacht, dass er mich mal einen Nachmittag durch die Gegend führt - und heute hat er angerufen. Nur Elch bekamen wir keinen vor die Linse, und einen Wolf konnten wir auch nur aus der Ferne hören. War aber insgesamt ein schöner Nachmittag.

Ja - und am Samstag habe ich ein Begräbnis in Paddle Prairie (70km südlich von High Level), Vorabendmesse in Rainbow Lake; am Sonntag 10:00 High Level und 12:30 Assumption. Montag Nachmittag Erstbeichte in Rainbow Lake ... - so macht man auch seine Kilometer ...

Sonntag, 24. Mai 2009

Wer glaubt, es wäre nicht zu toppen, ...

... der täuscht sich. Erklärung folgt nach meinem kurzen Tagesbericht.
Also gestern durfte ich wieder einen meiner "Vögel" erfahren. Und einer meiner "Vögel" ist, dass ich mich nicht gerne mit Essen nötigen lasse. Und Sr. Rose tat leider nichts anderes gestern Abend, als sie partout darauf bestand (bitte, sie ist bei MIR zu Gast) Dosenfutter aufzukochen, dabei machte sie sich so in der Küche breit, dass ich halb verrückt wurde (man glaubt gar nicht, wie sich ein so zartes Geschöpf - vielleicht gerade mal mit 155cm und - na ja, korpulent kann man sie sicher nicht bezeichnen - breit machen kann) - She made me really mad. OK - das konnte ich ihr zumindest mal beibringen, dass ICH der Gastgeber bin. Na ja, heute hat das schon funktioniert.
Heute, Samstag früh, brach im 1/2 10 Vormittag nach Ft. Vermilion zum schon im letzten Post erwähnten Begräbnis auf - Zwischenstopp im Extrafood, Lebensmittel eingekauft (am Sonntag mache ich Palatschinken!!!) - ja und um 13:00 war das Begräbnis (Verspätung 20 Minuten) - Ein Farmerbegräbnis, Cowboyhut am Sarg, Feiergemeinde war gut aktiv, Mesner waren da (das erste mal seit dem ich in der Region bin, dass ich mich um das nicht kümmern musste) - Musik (ein Geschwisterpaar, eine Gitarre) war sehr gut und auch liturgisch passend - man merkt, dass hier eine Deutsche seit zwei Jahren das Heft in der Hand hat. Alles in allem auch für mich als "eingeflogenen" Zelebranten eine überaus runde Sache.
Danach wieder knapp 180km nach Hause zur Erstbeichte. Heute sind 9 Kinder da gewesen (auf der Liste wären Anfang des Jahres 20 gewesen - aber, was soll's - as I told Sr. Rose, as she was a little bit upset because of this fact - don't blame the missing one in front of the present - just enjoy those, who are here; and: Success is not mentioned in God's dictionary). Aber natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass morgen irgendwelche Leute auftauchen, die sich bis jetzt nicht um die Erstkommunionvorbereitung geschert haben und erwarten, dass man ihre Kinder zulässt. Ich hoffe, dass es nicht passiert, und ich werde Sr. Rose sicher unterstützen, wenn sie dies freundlich aber bestimmt zurückweist. Hier rächt sich in gewisser Weise die Laxheit vieler Priester und Gemeindeleiter der Vergangenheit, die scheinbar wirklich sich um Dinge wie Erstkommunionvorbereitung, Taufvorbereitung und ähnliches nicht wirklich gekümmert haben. Alles ging sozusagen mit Abkürzung vom heiteren Himmel. - Oder aber, wir werden mit diesen Geschichten ("F. Camillo did it all the time - he just asked during mass, who of the children wants to receive first communion - and that was all") von hinten bis vorne bedackelt. Möglicherweise gar nicht boswillig, sondern einfach aus der Tatsache heraus, dass sich vielleicht nach ein paar Jahrzehnten (F. Camillo Prodoscimo war in den 70ern und 80ern hier - eventuell frühe 90er) schon mal der eine oder andere Mythos bildet - wer weiß.
Jedenfalls wird es möglicherweise morgen Nachmittag hier in Assumption noch ein wenig lustig (ich hoffe nicht). - Ja, und 4 Stunden vor Assumption feiere ich die Erstkommunion in High Level - da bin ich schon besonders gespannt, was mich dort erwartet. Lustigerweise scheinen die Leute dort sich regelrecht zu freuen, dass ich komme - obwohl ich anerkannterweise nicht wirklich mit dem besten Englisch gesegnet bin. Aber die werden schon sehen ...

Ja, und jetzt endlich zur Überschrift: Das im letzten Post angesprochene Begräbnis dürfte jetzt tatsächlich in Assumption sein. Aber so genau weiß ich das jetzt auch noch nicht, weil bis jetzt hat kein Mensch mir das gesagt - ich habe nur von Sr. Rose erfahren, dass der Leichnam in das Haus der Familie heute Samstag überstellt wurde...

Donnerstag, 21. Mai 2009

"If you think, something is crazy - it's just normal here!"

... War lachend der Satz Monikas, als ich ihr am Telephon erzählte, dass ich am kommenden Montag ein und den selben Leichnam an zwei verschiedenen Orten zur selben Stunde beerdigen soll. Aber Gott sei Dank ist die Diözese so "klein", dass die Finanzkammerdirektorin das auscheckt. So ist nun fix, dass ich am Montag nach Meander River zum Begräbnis fahre (und nicht hier in Assumption) - ehrlicherweise muss ich sagen, kommt mir das sowieso mehr entgegen, weil in Meander River eine etwas bessere Feierkultur besteht.

Übrigens mein Terminplan für kommendes Wochenende:

Samstag:
  • spätestens 10:30: Abfahrt nach Fr. Vermilion (180km)
  • 13:00 Begräbnis in Ft. Vermilion
  • 17:30 Erstbeichte in Assumption (180km zurück)
Sonntag:
  • 8:00 Abfahrt nach High Level (105km)
  • 10:00 Erstkommunion in High Level
  • 14:00 Erstkommunion in Assumption
Montag:
  • 10:00 Abfahrt nach Meander River (180km)
  • 13:00 Begräbnis in Menader River
Und natürlich zurück und hoffen, dass das nicht so weitergeht in den nächsten Wochen ...

Mittwoch, 20. Mai 2009

Meine "erste" Erstkommunion (von insgesamt 4)

Am vergangenen Sonntag war es so weit. Erstkommunion in Meander River. Nachdem den Kindern, Eltern und der Gemeinde gesagt wurde, dass die Feier schon um 12:00 Mittag beginnt, konnten wir fast pünktlich um 12:40 anfangen. Natürlich war es etwas anders als daheim (na no na net - ist ja auch nicht im Waldviertel *ggg*) aber auf seine Weise war es ein wirklich schönes Fest. Von den 8 Erstkommunikanten kamen tatsächlich 7 und dank Sr. Rose's Vorbereitung war es auch wirklich ein würdiges Fest (obwohl mit der einen oder anderen kleinen Panne - aber was soll's - man weiß ja, wo man hin will). Sogar drei Ministranten hatte ich dabei (die habe ich am Donnerstag davor auf Bitte Sr. Rose' in einem Crashkurs eingewiesen - muss sagen, die waren rather smart). Anschließend gab es ein Putlock mit gedünstetem Elch, Huhn, Panek (Art Native Faschingskrapfen), jede Menge süßes und klebriges Zeug für die Kids, ... Jedenfalls war es wirklich ein schönes Fest.




Im Anschluss ging es dann auf die große Reise nach Wabasca zu einer Diakonenweihe - ich sage nur mal so viel: Überlasse das Organisieren niemals einer philippinischen Klosterschwester; ich habe mich bei dieser Reise darauf verlassen:
1) Der Weg über McLennan ist nicht viel länger als die Gravelroad zwischen Ft. Vermilion und Wabasca (in Wirklichkeit wäre letzteres trotz 280km Gravelroad 2 Stunden weniger Fahrzeit)
2) Es ist alles vorbereitet, wie können in Wabasca im Pfarrhof übernachten - nur wo ist dieser, und wie findet man diesen um ca. Mitternacht (es ist um diese Zeit auch dort schon stockfinster), in einer Streusiedlung von Trailerhomes und Busch zwischendurch - kein Hauptplatz, keine Wegweiser (schon gar nicht zu Kirche), ja nicht einmal der Ort selber ist ausgeschildert (und nebenbei befindet sich die Kirche in Desmarais, aber man sagt jetzt zur ganzen Ansiedlung Wabasca, was aber ursprünglich eine Reserve 6km im Norden war, wo aber die Kirche schon vor etlichen Jahren aufgegeben wurde ...) - Also kurz und gut - nach einer halben Stunde Herumfahrerei habe ich ein Motel gesucht - die waren aber wiederum alle irgendwie geschlossen oder was weiß ich was - und so rauschten wir in ein Noralta Lodge rein, was eigentlich nicht öffentlich, sondern nur für Ölarbeiter wäre. Aber Geld stinkt nicht, und so fanden wir dort ein Quartier; fragt nicht, was das gekostet hat - ich sage nur so viel: ich habe den Schwestern ziemlich deutlich gemacht - bei aller Großzügigkeit meinerseits - ich will Geld sehen (Zimmer mit Frühstück - $160,- netto!!!! - PRO KOPF - Jetzt wisst's warum Treibstoff so teuer ist; aber zumindest war die Qualität entsprechend - sauber and all inklusiv). Aber was soll's - Kreditkarte leistet viel, und mein Konto wird erst im Juni damit belastet, und ich habe ja auch schon den Scheck für die Nächtigung der beiden Schwestern bekommen. Ah so, ich musste natürlich alles mal vorschießen - die Schwestern haben kein Geld - dieser phillipinische MACE - Orden, dem die beiden Schwestern angehören, ist wirklich der erste echte Bettelorden, der mir untergekommen ist. Aber das wäre jetzt wirklich ein anderes Kapitel (und vor allem etwas für Spezialisten). - Zur Diakonweihe selber schreibe ich morgen oder übermorgen ...

Samstag, 11. April 2009

Priestereinkehrtag und Chrisammesse in McLennan

Am vergangenen Dienstag, dem 6. April, waren alle Priester der Erzdiözese in die Kathedrale nach McLennan zu einem Einkehrtag, Empfang und anschließender Chrisammesse eingeladen. Diesmal bin ich schon am Vorabend angereist, um mir zu ersparen, am Dienstag selbst um 4:30 morgens von Chateh abreisen zu müssen, um rechtzeitig um 10:00 Vormittags anzukommen - einmal habe ich es gemacht; es ist nicht angenehm. Wie üblich nahm ich meinen Kollegen von High Level mit.

Aber nun zum Einkehrtag selber:

Der erste Punkt nach der Laudes (bei der in einem symbolischen Akt wir Priester und der Erzbischof von den beiden anwesenden Diakonen in einem symbolischen Akt gesalbt wurden) war eine einstündige Auseinandersetzung zum Thema "Verantwortetes Leben als Priester" (Accountability) - dazu hatten wir ein kleines Booklet zur Verfügung, das die kanadische Bischofskonferenzen von einem Expertenteam erarbeiten ließen. Danach trafen wir uns zu 1/2-stündigem Austausch und Reflexion. Es folgte ein sogenanntes "Chapter of faults" - und das war sicher der beeindruckendste Teil dieses Tages: Erzbischof Pettipas stellte einmal das Prinzip vor und unterzog sich dann selbst für eine knappe 1/2 Stunde dieser alten geistlichen Übung (die ob ihres Missbrauchs in vergangenen Jahrhunderten schon vor Jahrzehnten abgekommen ist) - er reflektierte vor uns priesterlichen Mitbrüdern offen über von ihm empfundene Mängel in seiner bischöflichen Amtsführung - Leute, DAS habe ich noch nie erlebt - und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie dicht da die Atmosphäre war. Das war schlicht "geronnene" Spiritualität.

Nach dem Mittagessen und anschließender Siesta trafen wir uns zum Rosenkranz in der Kathedrale - danach gab es einen kurzen geschäftlichen Teil (es ging einerseits um die Diözesanmission im Spätherbst 2010 und andererseits um die Neuorganisation der Visitationen und Firmungen - der Erzbischof wird jeweils eine der 5 Regionen für je mindestens 10 Tage besuchen und in dieser Zeit auch dort in einem Pfarrhaus leben; spannend war einfach zu erleben, dass er sich von den Priestern auch etwas sagen ließ - sogar ich traute mich einen Einwand vorzubringen).

Danach ging es wieder in die Kirche zu einer Anbetung vor dem Allerheiligsten. Anschließend wurde ein junger Mann in schlichter Art unter die Kanditaten zum Priesteramt aufgenommen - er wird im Mai zum Diakon geweiht und im Sommer auf den Philipinen (von dort kommt er her) von einem dortigen Bischof für die Diözese McLennan zum Priester geweiht (damit seine Familie und seine Heimatpfarre an diesem Fest anteilnehmen können).

Am frühen Abend waren wir dann zu einem schlichten Empfang geladen, an dem auch viele Laien und Ordensschwestern aus allen Ecken der Erzdiözese teilnahmen (bedenkt bitte, dass diese Erzdiözese 2,5 mal so groß wie das gesamte österreichische Bundesgebiet ist).

Anschließend war dann Chrisammesse. Im Zuge dieser Messe erneuern die Priester ihr Weiheversprechen und es werden die Heiligen Öle (Chrisam, Infirmorum für die Krankensalbung und Katechumenorum für die Salbung der Katechumenen) geweiht. Einige Teile der Messe wurden auch französisch gesprochen (Orationen).

Bei der Predigt stellte Erzbischof Pettipas die neuen Priester in der Diözese vor, die Jubilare wurden vorgestellt; inhaltlich ging es vorzugsweise um das Zusammenspiel der einzelnen Charismen und Ämter der Laien und Geweihten in der Kirche. Besonders berührend waren danach die Erneuerung der Versprechen der Priester und Diakone, aber auch der Laien (die wurden auch in adäquater Weise befragt) - jedes Versprechen wurde mit einer kurzen Segensformel/Oration abgeschlossen - und jetzt kommts: der als Zeremonär fungierende Generalvikar stoppte danach kurz die Feier, um ALLE Anwesenden zu bitten (ja, auch die "Nichtgeweihten") ihre Segenshand zum Bischof zu wenden und gemeinsam (ein wohl sehr bekanntes) Segenslied zu singen (davon hatte der Erzbischof tatsächlich nichts gewusst).

Anschließend gab es noch eine Stärkung im Pfarrsaal (besonders für jene, die noch in der Nacht nach Hause aufbrachen - die südlicher gelegenen Pfarren haben es ja wirklich nur etwa bis zu knapp einmal 200km) - wir Nordlichter übernächtigten im Bischofshaus (weil um 22:00 zu einer möglicherweise knapp 5 1/2 -stündigen Autofahrt aufzubrechen ... - na ich weiß nicht).

Jedenfalls war ich von diesem Tag sehr beeindruckt.

God bless you

Übrigens: Es waren alle 28 Priester der Diözese anwesend!!! Ich weiß schon: Personalstand eines größeren Dekanates - aber bedenkt: 2 1/2 mal so groß wie Österreich - die weiteste Anfahrt haben meines Wissens meine Wenigkeit und die Schwestern von John D'or Prairie (jeweils um einiges mehr als 500 km)

Donnerstag, 9. April 2009

Bei den Schwestern in Jon D´or Prairie

Letzte Woche am Montag war ich Jon D´or Prairie, einer Reserve der Cree. Zuerst feierte ich mit der Gemeinde die Hl. Messe und anschließend bot ich Beichtgelegenheit, zuerst einmal den Erskommunionkindern, dann aber auch einigen Erwachsenen.

Zuerst ist mal eines zu sagen: Was die Schwestern dort in den letzten fast 40 Jahren geleistet haben, ist nahezu heroisch zu bezeichnen. Unter den an sich schwierigen Verhältnissen einer Native Community konnten sie ein lebendiges Pfarrleben mit der Bevölkerung entwickeln (natürlich darf man sich darunter nicht das gleiche wie bei uns vorstellen - zu verschieden sind da die Mentalitäten der Menschen) - z. B. findet an jedem Abend eine andere Vorbereitung statt (Tauf-, Ehe-, Firmvorbereitung) bzw. Bibelabend oder auch Alpha-Kurs (eine Art Basiseinführung in den christlichen Glauben). Bewundernswert ist auch, dass sie mit den Menschen dort eines der interessantesten Kirchengebäude im ganzen Norden Kanadas bauen konnten.

Wenn ich recht verstanden habe, kamen die Schwestern als Lehrerinnen gleichzeitig mit den ersten Siedlern in diese Region und bauten die Schule auf. Am Anfang, erzählten sie, war dort gar nichts. Die Cree dort wurden angesiedelt, weil eine andere Reserve (Fox Lake) für die wachsende Bevölkerung zu klein wurde.

Die Schule wird nun von den Aboriginal People selbst geleitet und im Gegensatz zu den Dene Thá kommen die meisten Lehrer auch aus der eigenen Bevölkerung.

Die beiden Schwester gehören der Ordensgemeinschaft der Santa Christiana Schwestern an, die auch in Österreich vertreten sind; und zwar in Wien Rodaun und meines Wissen in Frohsdorf im Burgenland und in Wiener Neustadt, wo sie jeweils ein Schulzentrum betreiben. Im Übrigen eine entferntere Verwandte (die Cousine meiner leiblichen Mutter) gehört auch dieser Ordensgemeinschaft an und war auch eine Zeitlang mal Leiterin des Ordens in Österreich. Witzig war, wie die beiden erzählten, dass sie erst vor ein paar Jahren anlässlich eines weltweiten Treffens ihrer Ordensgemeinschaft bei einem meiner weiteren Verwandten in dessen Restaurant in Tattendorf essen waren - also werte Leserinnen und Leser: Wenn sie meinen, es gäbe einen Winkel in der Welt, wo sie sicher keiner kennt, bzw. keinerlei Verbindung mit ihnen bestehen würde - glauben sie mir: diesen Winkel gibt es NICHT.

So könnt ihr Euch noch ein paar Bilder anschauen ... sie sind es wert


God bless you

Freitag, 27. März 2009

Jon D'or Prairie ist auf Montag verschoben ...

... aber ich habe trotzdem ein paar Bilder:
Also einmal das erste Bild: Unsere Dekanatskonferenz: mangels geeigneten Personals (F. Henry ist noch nicht richtig eingearbeitet und das ich nicht Dechant werde, versteht sich wohl von selbst - auch wenn das Angebot verlockend ... vergiss es ...) wurde Monika Schmidt bis auf weiteres mit der Leitung des Dekanates beauftragt.
Von links beginnend: Elisabeth aus High Level - sie ist die Vertreterin des Dekanates im diözesanen Pastoralrat; Schwester Jeanette von Jon D'or Prairie (die Frau ist 83 und ein Energiebündel - unvorstellbar), F. Henry, der Priester in High Level; Mr. Alacon von Rainbow Lake, hauptberuflich Manager des Maintenance Teams einer Ölfirma; Monika Schmidt von Ft. Vermillion, unsere vorläufige "Dechantin" hihihi; Schwester Bernadette von Jon D'or Prairie (diese Frau ist meines Wissens 78 - und das sieht man ihr auch nicht an); und ganz rechts, Mrs. Alacon die Schuldirektorin von Chateh und Gattin von Mr. Alacon.

Nächstes Bild: Wie gesagt, war ich bei Monika zu einem zünftigen Abendessen eingeladen. Davor feierte ich noch mit der Pfarrgemeinde in Ft. Vermillion die Heilige Messe zum Hochfest der Verkündigung des Herrn.
Also hier seht ihr mal Monika mit ihrem Gatten Klaus

und hier das, was ich eigentlich schon - sagen wir seit 9 Monaten vermisse: Einen ordentlichen zünftigen Schweinsbraten, Sauerkraut, Semmelknödel und auch ein paar Löffel Leberwurst - ich sage nur: Traumhaft!












Am Donnerstag Vormittag nutzte ich die Gelegenheit, noch ein paar Bilder vom (noch) zugefrorenen Peace River bei Ft. Vermillion zu machen - das Wasser kommt schon an manchen Stellen zaghaft durch ...

Sonntag, 15. März 2009

Bishops Dinner

Heute hatten wir Dekanatskonferenz; diesmal wirklich: Sr. Bernadette und Sr. Jeanette v. John D´or Prairie, F. Henry von High Level, Elisabeth Hunter - Vertreterin der Region im diözesanen Pastoralrat, Gigi and Robert Alacon from Rainbow Lake, meine Wenigkeit und - sozusagen als "Dechantin" Monika Schmidt - sie hat den Auftrag vom Bischof mangels anderer qualifizierter Personen: die beiden Schwestern v. John D´or und meine Wenigkeit sind ab Sommer nicht mehr da, F. Henry muss sich noch einleben - und Monika ist Deutsche - die hat das richtige Zeug zum Dechanten. Und ich muss sagen, es ist ganz schön etwas weiter gegangen und es wurde eine reichhaltige Agenda abgearbeitet.

Am faszinierendsten für mich war die Tatsache, ein so genanntes Bishops Dinner organisieren zu müssen. Um was geht es dabei: Um nichts geringeres, als ausreichend Finanzen zum Betrieb der Diözese aufzustellen und zwar mit diesem Bishops Dinner. Dazu werden in den Pfarren Karten á $25,- verkauft, die dazu berechtigen an einem Bankett mit dem Bischof teilzunehmen - dort wird ein passables Dinner geboten, verschiedene Reden geschwungen bzw. Projekte vorgestellt, die eine oder andere zusätzliche Aktion (z.B. Tombola o. ähnliches geboten). Das ganze soll am 5. Juni stattfinden, also kann ich da noch dabei sein. Neben 15% von der Kollekte einer jeden Pfarre ist das die einzige Finanzierungsbasis der Erzdiözese.

Obwohl Alberta jene Provinz in Kanada ist mit dem höchsten Bruttosozialprodukt, ist die Erzdiözese Grouard-McLennan wiederum dann doch eine der ärmsten in ganz Kanada. Der Grund dafür liegt einerseits in der sehr dünnen und noch dazu ungleichmäßigen Besiedlung (20% aller Katholiken leben alleine in der Pfarre Grand Prairie ganz im Süden der Diözese) und daran, dass 25% weitere Prozent der Katholiken Ureinwohner sind, die selber in prekären Verhältnissen leben.

Diese Umstände bedingen auch, dass besonders auf die Entrichtung von Kilometergeld von Seiten der Seelsorger erheblich wert gelegt werden muss. Wenn für ein Begräbnis schon mal an die 400 bis 500km gefahren werden muss, bis man wieder daheim ist, dann liegt das doch irgendwie auf der Hand (das geht aber nur, wenn man nicht für die Pfarre zuständig ist - also in meinem Falle habe ich nur eine Benzinvergütung für Fox Lake bekommen, Meander River ist ja mein derzeitiger Verantwortungsbereich).

Also wie ihr seht, auch in einem Industrieland, das zu den G8 gehört, kann der Reichtum auch regional sehr unterschiedlich verteilt sein ... und dieser Umstand macht gerade vor der Kirche nicht halt.

Montag, 2. März 2009

Was bekommt ein Bischof zur Bischofsweihe geschenkt?

Das ist hier die Frage; Erzbischof Pettipas ist Redemptorist - ein Volksmissionsorden. Und wisst ihr, was er von seinem Orden geschenkt bekommen hat? Ihr werdet es kaum erraten:

Eine Volksmission - und zwar in der ganzen Erzdiözese. Im November 2010 werden Redemptoristen aus ganz Nordamerika in den meisten Pfarren der Erzdiözese gleichzeitig eine Volksmission halten. Ich war am Freitag bei einem Regionaltreffen der Multiplikatoren, und es dürfte tatsächlich ein generalstabsmäßiges Unternehmen werden.

Die Volksmission ist für 2 Wochen im November 2010 angesetzt. Jeder Pater wird 5 Tage in der Pfarre bleiben und Missionspredigten halten. Dazu kommen dann noch verschiedene begleitende Projekte - angefangen von Kinderliturgien über Bibelabende bis zur Tauf- und Wiedereingliederungsvorbereitung für Erwachsene. Das ganze soll medial ordentlich vorbereitet werden, Einladungen möglichst persönlich von Pfarrmitgliedern bzw. Pfarrern in die Haushalte gebracht werden; und und und. Der Sitzungsnachmittag war jedenfalls spannend - vor allem fand ich diese Form des Geschenkes sehr originell und vor allem sehr sinnvoll.

God bless you

Freitag, 27. Februar 2009

Aschermittwoch in Meander River

Am Donnerstag feierte ich in Meander River in der Elementary School den Aschermittwochgottesdienst. Besonders beeindruckend waren die Traditional Drummers von den Dene Tha. Am Anfang und am Schluss sangen sie ein Gebet in ihrer Sprache.
Lied am Beginn:


Lied am Ende


God bless you

Samstag, 21. Februar 2009

Mein zweites Begräbnis in Meander River

Am vergangenen Freitag, dem 20. Februar, hatte ich mein zweites Begräbnis in Meander River. Diesmal war es ein 31jähriger Mann, der als Lastwagenfahrer in Edmonton gearbeitet hat. Er wurde am Vorabend des Valentinstages in einer Bar in Edmonton erstochen, und konnte trotz sofortiger Einlieferung ins Krankenhaus nicht mehr gerettet werden. Er hinterlässt eine Lebensgefährtin und einen etwa 10 Jahre alten Sohn.

Für mich sehr beeindruckend war die Mutter des Getöteten. Sie hat das Begräbnis wirklich sehr gut vorbereitet - es war sogar ein kleiner Chor und ein Gitarrist zur Verfügung. Die Musik selber war eher nicht mein Geschmack (Country Style) - aber andere Länder, andere Sitten. Jedenfalls waren sehr viele Menschen in der Kirche in Meander River.

Angehörige lasen die Lesung und auch die Fürbitten. Betroffen hat mich gemacht, dass der Sohn der Verstorbenen am Ende der Hl. Messe einen Brief an seinen Vater verlas. Eine Schwester von ihm trug ein Gedicht vor - und was ich bei den letzten beiden Begräbnissen im Meander River mitbekommen habe, scheint es Tradition zu sein, eine sogenannte Eulogy zu halten (etwas, was bei uns eher nur bei Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gemacht wird). Anschließend verabschieden sich alle einzeln am offenen Sarg, dabei kommen auch Zärtlichkeitsbezeugungen wie streicheln oder Küssen des Leichnams vor. Anschließend wird der Sarg in einen Truck eines Familienangehörigen verfrachtet und zum Friedhof gebracht.

Im letzten Fall war das aber die traditionelle Burial Site in Indian Cabins, mehr als 100km nördlich von Meander River.

Wie ich dort mit der mich begleitenden geistlichen Schwester dort eintraf, brannte dort in der Nähe der Grabstelle ein Lagerfeuer und heißer Tee wurde an derselben gekocht. Nach einiger Zeit kamen eher lose verteilt die anderen und der Truck mit dem Sarg. Ich verwendete den Kurzritus für Beerdigungen, erweiterte ihn aber um ein paar Symbole aus unserer Tradition (Erde - mit Deutung und Einstecken des Kreuzes in die Erde).

Was auch noch interessant ist: Die Leute kommen eher informell gekleidet zu Begräbnissen (ich muss ehrlich sein, ich habe auch nur die Stola über meine Lederjacke geworfen - es ist auf den traditionellen Friedhöfen eher rustikal, und da das Wetter eher wärmer war, wollte ich meine Albe nicht verschmutzen). Und das Grab wird noch während des Nachwerfens von Erde auch gleich zugeschaufelt. Es sind 2 oder 3 Schaufeln am Grab und ein paar Leute geben auch gleich mal 2 oder 3 Schaufeln voll Erde in das Grab - andere geben eher tradtionell eine Handvoll hinein - und das Totenmahl fand offensichtlich gleich beim Friedhof statt (nur Sr. Rose und ich wollten noch zu den Alexandra Falls, so dass wir doch nach dem Begräbnis sehr schnell weiterfuhren).

Apropos Alexandra Falls
diesmal habe ich etwas schönere Fotos von diesem gemacht (diesmal hatte es ja frühlingshafte -4° und es war noch dazu windstill und sonnig)
enjoy them
Alexandra Fall
God bless you

Freitag, 30. Januar 2009

Gestern war ich bei einer Totenwache

Die Familie jenes Mannes, den ich am Samstag in Meander River begraben werde, hat mich dringend zur Totenwache eingeladen, und so bin ich gestern Abend nach Bushe River (das dritte Reservat der Dené Tha etwas westlich von High Level gelegen) gefahren. Interessant war, dass ich dort dann einige bekannte Gesichter antraf (z. B. Rosemarie von Meander River) und auch einige Nicht-Natives. Wie auch immer - die Totenwache fand im Haus des Verstorbenen statt und der Verstorbene ist auch im Haus dort aufgebart.

Beim Eintreten ist mir sofort die entspannte Atmosphäre aufgefallen. Ein paar Leute saßen in einigem Abstand zum Sarg und tranken Kaffee, ein paar andere saßen in der Küche. Ich habe dann begonnen mit der Wortgottesfeier und die Leute haben brav mitgemacht; es wurde der Rosenkranz gebetet - abgesehen von ein paar kleinen Unterschieden, hätte das auch bei uns stattfinden können. Anschließend ging das nette Geplaudere weiter, es kamen noch einige Leute dazu, andere sind bald nach der Wortgottesfeier wieder gegangen.

Zu Essen gab es "Panek" (in Öl herausgebackenes Fladenbrot, nicht unähnlich im Geschmack mit Faschingskrapfen ohne Marmelade), gedünstetes Rindfleisch, das in Nordamerika nicht fehlen dürfende Kartoffelpürree, Kaffee und sonst noch ein paar Kleinigkeiten.

Am Anfang mag das einem gelernten Mitteleuropäer und Österreicher ein wenig fremdartig anmuten, andererseits aber: wenn man wirklich an das ewige Leben glaubt (und das bis in die Wurzeln hinein), kann ich mir schon vorstellen, dass Trauer und die Normalität des Alltags doch wiederum zusammengehören. Ich bin mir nicht sicher, aber es könnte sein, dass die Natives Nordamerikas gerade in Bezug auf das ewige Leben und dem damit verbundenen Tod ein natürlicheres Verhältnis ("Paradies" - in Genesis heißt es, dass der Tod erst über die Menschen kam, als sie aus dem Paradies vertrieben wurden; könnte es sein, dass damit gemeint ist, dass möglicherweise es einmal eine Zeit in der Menschengeschichte gab, in der ein tief verwurzeltes Wissen über die Ewigkeit bestand und damit auch keine Angst vor dem Tod???).

God bless you

Donnerstag, 29. Januar 2009

Sich als Opfer beklagen - oder selbstverantwortet leben

Gestern nachmittag wollte ich mit "meinen Schwestern" etwas besprechen und ging daher am Nachmittag nach längerer Zeit wieder mal in die Schule. Da die beiden im Unterricht waren, setzte mich die Fr. Direktor in den "Students - Councelling - Room", weil dort die Schwestern nach dem Unterricht hinkommen würden. An einer Pinwand las ich zwei Artikel. Einer ging über das Opfer-Sein, der andere über das Selbst-verantwortete-Leben.

Was ich da las, war die Bestätigung einer Theorie, die ich den letzten Wochen mir zurechtlegte angesichts der hier im Reservat bestehenden Zustände:

Die Menschen hier sind Opfer ungerechter Entwicklungen in den letzten Jahrhunderten - keine Frage. Das Problem aber ist, dass sich die Opferrolle in den Köpfen der Menschen sehr tief eingebrannt hat. Alle Mißstände werden aus dieser Opferrolle heraus verstanden. Ob das nun Alkoholismus, Kindesmissbrauch, Frühschwangerschaften, Drogenmissbrauch, Armut, ... sind - ganz egal: Schuld ist der weiße Mann, die Boarding Schools zwischen 1920 und 1970 ... - Na ja, die Tatsache selbst wird ja bei den meisten Verantwortungsträger zumindest offiziell nicht mehr bestritten (es gibt dazu ja auch Studien und sogar Gerichtsurteile, die das feststellen) - ABER: das Gro´s der indigenen Bevölkerung unternimmt nicht einmal im Ansatz Anstrengungen, aus dieser Opferrolle auszubrechen. Es scheint in einer gewissen Weise bequem zu sein, sich immer nur zu beschweren und die Hand aufzuhalten, als dass der/die einzelne daran geht, diese Rolle als Opfer zu verändern.
Im Gegenteil, ich persönlich werde den Verdacht nicht los, dass dieses ganze System der Reservate und der öffentlichen Unterstützung für alle Beteiligten gewissermaßen eine Art Ruhekissen darstellt. Die Indigenas können leidlich bequem von der öffentlichen Fürsorge leben und die jetzige Mehrheitsbevölkerung erspart sich eine womöglich schmerzliche Auseinandersetzung mit den Defiziten der eigenen Lebensart, sollte wirklich aus dem Neben- ein Miteinander der Kulturen werden (schmerzlich wäre es natürlich auch für die Indigenas, die sich dann der Aufgabe gegenüber sehen würden, ihre Kultur in die Lebenswelt des 21. Jahrhunderts hineinzutransformieren - nicht aufzugeben!) .

Wobei mir natürlich sofort in den Sinn kommt, dass diese Haltung des Opferseins und des darin Verharrens ja nicht etwas ist, dass etwa nur bei den Natives Nordamerikas zu finden wäre - diese Haltung der Victimisierung wird auch in unseren Breiten von jung und alt in nicht unerheblichem Maße praktiziert. Letzendlich gilt aber hier wie dort:

Man kommt nur weiter im Leben (ganz egal ob als einzelner oder auch als Gemeinschaft) wenn man sich aus der Opferrolle befreit und beginnt, Verantwortung für sich selbst und für andere zu übernehmen.

Ich denke eine gute Übung könnte schon mal sein, seine Kinder zu unterstützen, Fehler als eigene anzuerkennen; sich zu überlegen, was man vielleicht selber besser machen kann und dann es auch tun. Notwendig scheint mir auch eine Kultur des Vergebens und Verzeihens, die wohl festhält, wo Unrecht geschieht oder geschehen ist, aber dann auch Lösungen versucht zu erarbeiten, die Neues wachsen und entstehen lässt.

Als Christen, denke ich, dürfen wir die Zuversicht haben, damit nicht allein dazustehen, sondern getragen zu sein von der Kraft Gottes. Wer in seinem Leben auf Gott vertraut, wird entdecken, dass gerade dieser echte und wahre Glaube jene Freiheit schenkt, die uns auf Zukunft zugehen lässt, trotz aller zweifelsohne erfahrenen Ungerechtigkeiten.

God bless you

Dienstag, 27. Januar 2009

Die Kanadier und ihre Zettelwirtschaft

Wo man auch hinschaut in diesem Land: Zettel, Zettel, Zettel. Geht man in eine Bank, darfst du schon mal händisch Münzlisten, Checks und ähnliches ausfüllen - da lob ich mir die modernen österreichischen Banken (abgesehen davon, dass ich hier 105km zur Bank fahren muss, um festzustellen, dass die NICHT MAL WISSEN, dass es Maschinen zum Münzen zählen GIBT).

Heute war ein Mann bei mir, der um Pension ansuchen möchte. Er hat aber die Schwierigkeit, dass auf jedem Dokument, das er hat, scheinbar andere Daten stehen (angefangen bei der Schreibweise des Namens bist sogar zum Geburtsdatum). Seine Taufpfarre (Indian Cabins) ist seit den 60ern abgekommen, die Bücher sind in McLennan (er wurde aber nach Fort Vermilion verwiesen). Es dürfte eine Gegebenheit in diesem Lande sein, dass die meist frankophonen Missionare die Namen in französischer Schreibweise in ihre Taufbücher aufgenommen haben. Nach dem 2. Weltkrieg wurden dann die Natives auch von staatlichen Behörden (angloamerikanisch) erfasst, und die verwendeten dann eine englische Schreibweise und kümmerten sich scheinbar auch sonst nicht allzuviel um die Aufzeichnungen in den Taufbüchern. Das Problem ist aber nun, dass jetzt die Behörden nach der Erstaufzeichnung (sprich Taufeintrag) fragen und dann kommen halt die Schwierigkeiten auf. Lustig ist nur, dass die Behörden IHREN Fehler (nicht Abgleichen der Aufzeichnungen) nun auf die Klienten und die Kirche abschieben. Der Mann heute hatte ein dickes Paket an Papieren bei sich, das er sozusagen abarbeiten muss - verrückt ... (zumindest kommt es mir so vor)

Ganz was anderes: Jetzt habe ich mein erstes Begräbnis in meinem Verantwortungsbereich. Voraussichtlich am Wochenende in Meander River. Der Verstorbene gehört vom letzten Wohnsitz her eigentlich nach High Level, aber der dortige Pfarrer, ein Philipino hat es vorgezogen, gleich einmal sein Kommen ins dortige Spital zu verneinen; sodass die Schwiegertochter ziemlich angefressen mich angerufen hat. Natürlich werde ich meine Arbeit tun (ich werde auch zur ersten Totenwache gehen - soll eine ganz interessante Erfahrung werden, hat mir Monika gesagt), aber eines muss ich schon feststellen - diese Nachbarschaft kommt mir ganz und gar vertraut vor, also es dürften manche Priester aus P.... und den P......... scheinbar mehr gemeinsam haben als den ersten Buchstaben im Wort ... (so Gerhard: nicht boshaft sein; tutu)

God bless you

Montag, 26. Januar 2009

Jetzt mal ein "echter" Film

Bis jetzt habe ich die meiste Zeit ja Diashows gemacht - diesmal habe ich mich gespielt und einen kleinen Film geschnitten - gleich was für Besorgte: Windschutzscheiben werden in Alberta erst gewechselt, wenn sie auseinanderfallen; die Durchschnittszeit bis zum nächsten Steinschlag nach einem Wcchsel soll so bei zwei Wochen liegen. Defekte Windschutzscheiben werden auch nicht von der RCMP beanstandet (die hat ja das gleiche Problem)


Übrigens, heute hatte ich tatsächlich die Taufe:
Das ist die kleine Mana Maria und ihre Eltern - na ja, ist doch noch was geworden ...
God bless you

Mittwoch, 21. Januar 2009

Heute gibt es wieder jede Menge Lesestoff

Man kann es drehen und wenden wie man mag: Seit ich im Nordwesten Kanadas bin, ist das Leben hier sehr spannend geworden.

Am Dienstag habe ich an einer Seelsorgekonferenz in McLennan teilgenommen - fast alle waren da (trotz der Ausdehnung der Diözese): F. Eherer aus Grand Prairie (er war jener Priester, der mich seinerzeit noch vom Flughafen in Toronto abgeholt hat) ganz im Süden, wie auch die beiden Sta. Christiana-Schwestern von John Dor Prairie ganz im Nordosten, von Lesser Slave Lake bis natürlich meine Wenigkeit der im äußersten Nordosten residiert - Lay-Ministers genauso wie Diakone und natürlich Archbishop Pettipas. Thema war nichts geringeres als die Vorstellung der Ergebnisse einer umfassenden Umfrage unter Pfarrern und Pfarrangehörigen im vergangenen Herbst und die Beratung der Ergebnisse - gleich vorweg, es war ein wirklich fruchtbarer Studientag und das Betriebsklima in dieser Diözese war einfach umwerfend - obwohl eigentlich nur Gast, wurde auch ich herzlich in dieser Runde aufgenommen - man hörte einander zu, und die Person des Erzbischofs Pettipas fasziniert mich sowieso. Der Mann ist so etwas von geerdet auf der einen Seite aber auf der anderen Seite geht von ihm so sprühende Glaubensfreude und Spiritualiät aus, die ihresgleichen oft im österreichischen Episkopat - sagen wir - nicht so zum Vorschein kommt ...

Etwas war ganz und gar lustig - und das werden wahrscheinlich nur Mitglieder meiner Familie verstehen - ich versuche es trotzdem zu erklären. Als ich noch ein Kind war, geschah es des öfteren, dass Leute aus der entfernteren Verwandschaft (Straninger Zweig) bei mir feststellten: " Ja, er hat ja wirklich ein Schneidergesicht" (zur Erklärung "Schneider" ist ein Zweig der mütterlichen Verwandtschaft - meine Großmutter mütterlicherseits war eine geborene Schneider und es gibt einige Cousins und Cousinen meiner verstorbenen leiblichen Mutter). Eine dieser eben angesprochenen Cousinen ist Mitglied der kleinen Ordensgemeinschaft der Santa Christiana Schwestern.

Und wie es nun kommen soll, sahen die beiden Schwestern von John D'or Prairie mich heute Dienstag das erste Mal (trotzdem sie sozusagen im gleichen Seelsorgsbezirk arbeiten, sind ja doch an die 250km zwischen uns) - und - wie vor vielleicht 35 Jahren - "irgendwie schaust du Schwester Elisabeth (meine "Tante") ähnlich" - und das irgendwo am Ende der Welt; ist schon wirklich faszinierend - also: Die Welt ist wirklich klein. Ich werde in den nächsten Monaten sie mal in ihrer Pfarre besuchen: die Schwestern sind schon knapp 50 Jahre am Ort und haben es wirklich geschafft ein prosperierendes Gemeindeleben in ihrem Reservat auf die Beine zu stellen - was bei den Natives des Nordwestens ja wirklich nicht leicht ist.

Die Konferenz selber war wie gesagt sehr anregend. Nach der Vorstellung der Ergebnisse des Surveys wurden wir in drei Gruppen geteilt um zu drei Themen Stichworte zu sammeln. Meine Gruppe beriet über das Verteilen und Rekrutieren von Priestern. Diese Diözese muss mit mehreren Problemen umgehen:
  • Ausdehnung: ca. 225 000 km2 - in Nord-Süd ca. 700km West-Ost ca. 300 - 400km (im Norden ist die Diözese ein wenig schmäler als im Süden - die Grenzen laufen exakt entlang der gedachten kürzesten Verbindung zwischen Nordpol und Äquator)
  • Bevölkerung: Grob gefaßt 3 große Gruppen (wobei eine Gruppe davon eigentlich auch aus einigen komplett verschiedenen Ethnien besteht) mit teils komplett verschiedenen "Kulturen": Englischsprechende, Frankophone und Natives/Metis ("Mischlinge" Weiß/Natives - haben eine eigene Kultur entwickelt)
  • die religiöse Pluralität ist sowieso selbstverständlich
  • Finanzen
  • nur wenige einheimische Priester (und keine Natives/Metis)
  • selbstverständlich das Klima und die Abgeschiedenheit der einzelnen Pfarren und Missionen
  • 66 Pfarren/Missionen, 22 Priester, einige weitere Schwestern, einige Lay-Ministers - abgesehen vom allbekannten Priestermangel (und "Schwestermangel") finden sich auch kaum Lay-Ministers (Bezahlung, allgemeine Lage Pfarren/Missionen, bei den Indigenas kommen noch ein paar spezifische Probleme dazu - dazu später - würde hier den Rahmen sprengen).
All diese Punkte gilt es in irgendeiner Weise bei weiteren Pastoralplanungen zu berücksichtigen. Vor allem muss man die angehenden Seelsorger/innen in dieser Diözese auf diese Situationen gründlich vorbereiten - vor allem wenn sie aus anderen Ländern kommen. Das Leben im Norden ist schon sehr herausfordernd. Zumal auch die Arbeit in den Gemeinden der Natives - hier gilt es noch sehr viel zu lernen (aber dazu später einmal).

Jedenfalls hatten wir ein an regendes Gespräch in unserer Runde.

Abschließend gab Erzbischof Pettipas noch einige Statements und dankte sich in ehrlichen und bewegten Worten für die Arbeit aller. Vor allem erwähnte er aber hier die Schwester der verschiedenen Kongregationen, die oft jahrzehntelang in aller Stille großartige Arbeit leisten - namentlich die Sr. Bernadette und Sr. Jeanette von John D'or Prairie - ich glaube zu deren Pfarre lege ich hier mal einen Link: St. Joseph, John D'or Prairie

So - jetzt habt ihr mal genug zu lesen. Ich packe morgen die Gelegenheit beim Schopf und werde in aller Frühe nach Edmonton (um die 450 weitere Kilometer) aufbrechen um mir mal einen richtigen City-Tag zu geben (ein bisschen durch die Stadt schlendern, vielleicht a bisserl was einkaufen, ordentlich ins Café gehen ...) - übernachten werde ich bei den OMIs in St. Albert, und am Donnerstag in der Früh wieder in den Norden aufbrechen.

God bless you

Samstag, 17. Januar 2009

Wieder in Fort Vemilion und Fox Lake

Monika und Klaus

Monika ist Pastoral Animator (so heißen die Pastoralassistenten hier in der Diözese) in Fort Vermilion. Sie und ihr Mann stammen aus Westberlin und sind vor ca. 20 Jahren zuerst nach Den Haag, anschließend 2 Jahre nach England und danach nach Kanada ausgewandert - mit von der Partie waren die jetzt erwachsenen vier Kinder. Klaus arbeitet in der Computerbranche und Monika absolvierte ihr Theologiestudium (Bachelor of Theologie) am John-Henry-Newman College in Edmonton. Sie schloss im Jahr 2006 als damals älteste Studentin mit knapp 50 Jahren ihr Studium ab und erhielt dann gleich das Angebot, in den Norden nach Fort Vermilion zu ziehen. Und jetzt leben sie und ihr Mann leben nun im Pfarrhof von Fort Vermilion.

Ich war dort am Donnerstag zum Abendessen eingeladen (und zur Übernachtung, weil ich ja am nächsten Morgen weiter nach Fox Lake musste) - der Abend war für mich sehr spannend. Soweit ich mitbekommen habe, ist Monika in fact eine Stütze des Bishofs in dieser Region - er scheint sich in vielen Dingen mit ihr zu beraten (es ist schon lustig, dass ihr die Aufgabe zufiel, meinen Priesterkollegen in High Level zu animieren, zu einem diözesanen Priestertreffen am kommenden Dienstag nach McLennan zu fahren - eigentlich wollte er es sich sparen - nein er ist kein P... - er ist Philipino ...; nun wird er mit mir mitfahren).

Die Gegend um Fort Vermilion ist sehr bunt bevölkert. Es ist die nördlichste Region in Kanada, wo noch Landwirtschaft betrieben wird. Eigentlich hat mich das angesichts der nahezu arktischen Bedingungen hier sehr verwundert. Aber Monika wies mich darauf hin, dass hier in Summe die selben Sonnenstunden wie in Calgary im Süden sind - nur halt etwas anders verteilt - im Sommer wird es hier nicht mehr wirklich finster. Die Sonne verschwindet dann vielleicht mal gerade für 5 Stunden hinter dem Horizont. Sie selber baut in ihrem Garten Gemüse an, erntet Himbeeren und andere einheimische Beeren, hält sich ein paar Hühner im Garten (obwohl lt, Gemeindeordnung verboten) und bekommt auch Fleisch von Farmern der Umgebung (bzw. Büffelfleisch und Deer von manchen Natives). Es wird sogar auf großer Fläche Gerste und Roggen angebaut obwohl mit der Aussaat oft erst im Mai begonnen werden kann (aber dann dürfte es wirklich sehr schnell gehen). Um auf die bunte Bevölkerung zurückzukommen: Neben diversen Natives (im Wesentlichen Cree und Beaver) kommen dazu noch relativ viele Deutsch- und Holländischstämmige - teils Katholiken, teils andere Konfessionen und sehr auffällig: Mennoniten. Umgangssprache ist aber Englisch, weil bis auf die Mennoniten (und die sprechen ein alte Plattdeutsch) nur noch selten die deutsche Sprache gepflegt wird. Und natürlich gibt es auch die "normalen" Englischsprecher.

Als Pastoral-Animator hat sie die komplette Verantwortung in nahezu allen pastoralen Belangen. Priester "borgt sie sich aus", wenn sie sie braucht. F. Henry von High Level ist sozusagen "ihr Priester" - hat aber im operativen Geschäft nicht wirklich was zu sagen (um ehrlich zu sein, schaut er auch nicht so aus, als dass ihm das ein Problem sei - macht ja Arbeit ...).
Bilder von der Winter Road nach Fox Lake

Der erste Abschnitt nach Verlassen von Fort Vermilion führt etwa 30km entlang einer Gravelroad - diese Straßen sind die normalen Nebenstraßen im Norden Kanadas (ganz im Norden werden sogar Highways als Gravelroad geführt - das geht dann schon gewaltig auf den Verschleiß der Reifen) - Höchstgeschwindigkeit 80km/h
Danach kommt für 40km eine zweispurige Forststraße. Da an diesem Tag im Wald gearbeitet wurde und der Weg ein öffentlicher regulärer Verkehrsweg ist, stand am Beginn dieser Straße ein "Advisor". Der hat Aufgabe jedes in das Gebiet einfahrende auto zu melden, den Fahrer auf allfällige Gefahren durch Schwerlaster aufmerksam zu machen und auf die Höchstgeschwindigkeit (60km/h) hinzuweisen. Am Ende der Arbeitszone steht übrigens auch ein Advisor - was nichts anderes heißt, dass Du eigentlich nicht verloren gehen kannst, weil auch das Verlassen des Fahrzeuges gemeldet wird.
Danach kommt die Bushroad - die ist nur einspurig mit relativ vielen Ausweichen und doch etwas rauer als die anderen beiden Straßentypen (Streckenlänge ca. 30km - also 60km/h bin ich nicht gefahren)
Und für mich als Mitteleuropäer am faszinierendsten waren natürlich die zwei Flussquerungen über eine Eisbrücke - über diese fahren auch 60t LKW! - In den nächsten Wochen werde ich einmal nach Yellowknife fahren. Dabei ist der McKenzie über eine 3km lange Eisbrücke zu queren (für Interessierte: in Google Earth Fort Providence, North West Territories suchen)
Die gesamte Fahrtzeit beträgt von Fort Vermilion bis nach Fox Lake (ca. 100km) etwa zwei Stunden.
Und im Anschluss gibts noch ein paar weitere Bilder von dieser Fahrt
Winterroad nach Fox Lake
God bless you

Sonntag, 11. Januar 2009

Stell Dir vor ...

eine Taufe ist angesetzt - und die kommen die kommen schlicht und ergreifend nicht.

Ehrlich gesagt, ich habe mir das ja schon so vorgestellt - das heißt, dass ich nicht wirklich überascht davon bin. Das einzige, was mich irgendwie beschäftigt ist, ob meine Vorgänger tatsächlich sozusagen "out of the blue" getauft haben. Weil ich kann mir nicht vorstellen, wie auf diese Weise, wie ich sie bis jetzt erlebte, 23 Taufen im vorigen Jahr haben stattfinden können. Ich habe F. Filion vor 14 Tagen getroffen und ihn diesbezüglich gefragt. Er gab jedenfalls an, dass auch er auf einem Taufgespräch ein paar Tage vorher bestanden habe. Na ja, ich werde morgen mal in McLennan den Kanzler oder den Generalvikar anrufen, um ein weiteres Procedere zu erörtern. Bin da mal gespannt, was da kommt.

God bless you

Das Begräbnis war mal was ganz anderes

Also ich bin eben zurückgekommen von Fox Lake (20:20) - ich versuche meine heutigen Eindrücke irgendwie zu sortieren:

Ich beginne mit der Anreise: es sind wirklich fast punktgenau 300km von Chateh bis Fox Lake. Davon sind (abgesehen mal die 15 km von Chateh bis zum Highway) fast genau 30 km nur gelegentlich gekräderte schmale Schneepiste durch den Wald, 40 weitere Kilometer etwas breiter und ordentlich gekräderte Forststraße und weitere 25km die übliche Gravelroad (sehr breit, gut gekrädert und gestreut) - der Rest ist asphaltiert. Ja und zwei mal musste ich einen Fluss per Eisbrücke überqueren (deswegen ist Fox Lake außer im Winter nach dem Zufrieren der Flüsse nur mit dem Flugzeug zu erreichen - so weit ich weiß).

Ich bin heute um 8:30 aufgebrochen (mit Anziehen und Auto vorbereiten brauchte ich dann sowieso schon bis kurz vor 9:00 - das vergesse ich immer, das das so lange dauert), habe in High Level getankt und bin dann weiter nach Fort Vermilion. Dort war ich beim Chinesen mit meinem Lotsen verabredet. Ich kam leider dann doch um etwa 10 Minuten zu spät, hatte aber dann sogar die Gelegenheit mit der dortigen Pastoralassistentin und ihrem Mann zu plaudern (deutsch - sind nämlich beider Berliner). Anschließend ging es weiter. Ich muss schon zugeben, dass die Fahrweise meines Lotsen schon manchmal abenteuerlich war, obwohl ich nicht gerade zimperlich bin - aber durch das mangelnde Gewicht des Trucks auf der Hinterachse, komme ich doch etwas leichter ins schleudern trotz Allrad. Aber wir kamen zum Begräbnis zurecht.

Die Kirche selber ist wirklich abenteuerlich - man kennt mich ja, ich bin ja wirklich nicht ein Kind von Ordnung - aber dort herrscht schon wirklich ein Saustall. Nicht dass es unmöglich wäre, Messe zu feiern, aber es ist alles irgendwie vergammelt. Dafür haben sie aber ein sehr rühriges Vorbeterteam, die mir gut zur Hand gegangen sind. Einige Teile der Messe (Vater Unser, Sanctus, Agnus, Eingangslied, Schlusslied) wurden in Cree gebetet bzw. die Gesänge von zwei Sängern zur traditionellen Trommel gesungen - also - das war nun wirklich beeindruckend.

Die Verabschiedung erfolgte nach der Messe in der Kirche am wirklich halb offenen Sarg, teilweise auch mit Zärtlichkeiten von dem Verstorbenen sehr nahestehenden Personen. Bei der sonst üblichen Zurückhaltung der Natives des Nordens doch eher verblüffend.

Danach wurde der Sarg von engeren Angehörigen auf die Ladefläche eines Trucks gehieft - und die Sargträger haben sich gleich auf die Bordwand gesetzt (inkl. der Kreuzträger mit dem Kreuz). Eigenartig war, dass sich einige gleich mal eine Zigarette angezündet haben - wobei aber zu bedenken ist, dass Tabak bei den Natives auch eine heilige Bedeutung hat. Übrigens die Vorbeter haben den Sarg vorher mit Sweetgrass inzensiert - auch eine uralte Tradition.

Am Friedhof angekommen segnete ich kurz das Grab - Vater unser - Schlussgebet (der englische Grablegungsritus gibt wirklich nichts her). Danach wurde der Sarg in das Grab in eine weitere rohe Kiste eingesenkt, die dann auch noch vor aller Augen mit einem Deckel zugemacht und vernagelt wurde - warum das gemacht wird, weiß ich nicht - werde ich aber noch bei Gelegenheit mal nachfragen. Übrigens war beim Begräbnis auch ein Vertreter der Gesundheitsbehörde dabei - er schien gerade an letzterem Prozedere ein erhöhtes Interesse zu haben - also dürfte es eine Vorschrift sein.

Den Rückweg fand ich ganz alleine - und nächste Woche gibt es am Mittwoch oder Donnerstag eine Wiederholung dort - die Leute scheinen interessiert daran zu sein, dass ich komme (und sie haben mir 160 Bucks Benzingeld gegeben, ohne dass ich etwas gesagt hätte - da wird sich die Diözese freuen, wenn die Benzinrechnung vom Jänner ein wenig geringer ausfällt)

So das war es heute mal vom Begräbnis - jetzt werde ich noch eine Kleinigkeit essen und dann bald schlafen gehen

God bless you

Samstag, 10. Januar 2009

Für ein Begräbnis 300 km ...

... wenn es sich ausgeht.
Heute erhielt ich einen Anruf, ob ich morgen ein Begräbnis in Fox Lake halten kann. Ich habe mal zugesagt, weil ich den Namen schon mal gehört habe. Es ist ein Reservat der Cree, welches jetzt glücklicherweise auch über eine Winterstraße durch den Busch erreichbar ist (über zwei Flüsse muss man drüberfahren - natürlich auf dem Eis) - jedenfalls wird das sicher spannend.
Aber von F. Filion weiß ich, dass zumindest die Cree ordentlich bei der Messe mitmachen (da können schon mal auch 200 - 300 Leute in der Kirche sein) - jedenfalls bin ich schon gespannt, wie das morgen werden wird.

Größere Kartenansicht
Das Bett ist mein Wohnort - der violette Pin ist Fox Lake und die Blaue Linie von meinem Wohnort zum mittleren Häuschen sind etwa 110km - den Rest könnt ihr euch ausmalen

God bless you

PS: Am Abend habe ich dort für nächste Woche ein weiteres Begräbnis dazubekommen - liebe Leute - 1200km für 2 Begräbnisse ... irre (aber es beginnt mich zu faszinieren)