... eine seltsames regelmäßiges Geräusch lässt mich aus den Schlaf erwachen - dachte erst mal an Regen. Na ja, aber irgendwie ließ es mich dann doch keine Ruhe. Ich ging mal in die Küche, dann ein kurzes Alarmsignal, ein Blick aus dem Küchenfenster - tatsächlich DAS Feuerwehrauto von Chateh im Einsatz, und das vor meiner Haustür. Also mal angezogen und dann vor die Haustür. Die Postenkommandantin der Polizei begrüßt mich freundlich (sie ist ja eine der beständigsten Messbesucherinnen am Sonntag) und die anderen Polizisten sind gerade beim Löschen (die Mounties in den Reserves dürften tatsächlich so eine Art Universalauftrag haben: Polizisten, Sozialarbeiter, als Paramedic habe ich einen auch schon gesehen, Feuerwehr ... - fragt nicht weiter, warum das so ist).
Eines der Nachbargebäude hat Feuer gefangen. Und dass das angeblich in Nordamerika mit seiner speziellen Bautechnik und Bauordnung eher einfach ist, ist mir auch einigermaßen klar. Teerschindeln sind die Standarddachdeckung, freilaufende Stromleitungen, kreuz und quer durch das Siedlungsgebiet, Hausanschlüsse werden direkt von den Masten heruntergezogen, die Hausgasanschlüsse sind ungeschützt neben den Außenmauern der Häuser (im Reservat genau so wie downtown Toronto) ... irgendwie dürfte man eine Technik gefunden haben, dass die halbe Provinz Alberta (die ja mehr oder weniger auf einem Gemisch von Öl und Erdgas schwimmt) bei den vielen Haus- und Buschbränden bis jetzt nicht in die Luft geflogen ist *gg* ...
Die letzten Tage waren sehr bunt. Am Samstag, wie schon im letzten Blog beschrieben, ein Begräbnis in Ft. Vermilion und in Assumption Erstbeichte, am Sonntag Erstkommunionen in High Level und Assumption und am Montag das Begräbnis nach dem Motto: "The fight about the corps" - letztendlich hat Assumption gewonnen. Aber alles der Reihe nach.
Am Sonntag um 8:00 früh brachen Sr. Rose und ich nach High Level auf, um mit der dortigen Gemeinde Erstkommunion zu feiern - der zuständige Pfarrer konnte sich nicht mit Hinweis auf die Erstkommunion aus der Verpflichtung zu einem 3wöchigen Kurs in Edmonton herauswinden, und ich habe bereitwilligst schon vor ein paar Wochen der Gemeinde in High Level zugesagt, natürlich gerne ihrer Bitte, mit ihnen das Fest zu feiern nachzukommen. Die Feier war wirklich sehr gut vorbereitet, die Kinder haben brav und gut gelesen, natürlich kamen auch welche um bald 35 Minuten zu spät (15 Minuten scheinen auch in einer "Nicht-First-Nation-Gemeinde" scheinbar nicht ganz unbekannt zu sein - mit dieser Verspätung haben wir nämlich sowieso begonnen). Aber alles in allem eine nette Feier und die Leute schienen auch einigermaßen mit mir zufrieden gewesen zu sein, trotz meiner nicht zu verleugnenden Sprachmängel. Danach hieß es aber bald wieder aufzubrechen, weil in Assumption die Erstkommunion um 14:00 angesetzt war.
Sr. Rose war ein wenig besorgt, weil sie damit rechnete, dass auch unvorbereitete Kinder einfach überraschend auftauchen könnten - und irgendwie hat sie es dann doch verstanden, mich mit ihrer Nervosität ein wenig anzustecken. Aber Gott sei Dank waren auch die beiden Direktorinnen der Schule da, die wir baten, im Falle des Falles die Rolle der "Bösen" zu übernehmen. Glücklicherweise trat aber dieser Fall nicht ein. So wurde die Erstkommunionfeier in Assumption ähnlich jener in Meander River eine würdige Feier (wie es halt so unter den gegebenen Umständen halt möglich ist). Die Kinder waren sehr diszipliniert und auch couragiert (was wirklich nicht selbstverständlich ist), gaben deutliche Antworten - nur mit dem Singen ... - (ich freue mich schon auf die Erstkommunion im nächsten Jahr ...)
Nun aber einmal etwas zum Schauen:
Im Anschluss an die Feier gab es noch ein Potluck mit verschiedenem Obst, Hühnerhaxerl, und anderes.
Als Sr. Rose und ich am Abend beinander saßen, waren wir beide fast aufgekratzt - irgendwie fiel sozusagen auch eine Last von uns (in Nordamerikanischen Native Gemeinden so etwas wie in Minimum an Struktur aufzubauen, ist ein nahezu unmögliches Unterfangen - es scheint nahezu ein Sport zu sein, alles zu unterlaufen zu versuchen, was man sich nur vorstellen kann ...).
Am Montag das Begräbnis fand nun tatsächlich in Assumption statt. Es ist anzunehmen, dass es um das Ansehen der Familie ging. Eines war jedenfalls klar: einfach waren die ganzen Umstände sicher nicht. Es ist in Assumption üblich, dass die Eulogy zwischen Evangelium und Predigt eingefügt wird. Diesmal kam in der Eulogy die Verstorbene selbst zu Wort; sie hat den Text aufgesetzt - und ich sage es gleich, mich hat es fast aus die Socken gehaut: Schonungslos brachte sie alles Negative zur Sprache ohne aber dabei anklagend einen Rundumschlag auszuführen. Als ich nach der Eulogy zum Ambo gehen wollte, trat vor mir spontan Chief Ahnassy (der "Häuptling") vor das Pult und sprach in Dené zu den anwesenden - so weit ich es begriffen habe (Körpersprache, Tonfall) war es scheinbar so eine Art Intervention (die Streitereien um dem Leichnam und Eulogy aufgreifend, nehme ich mal an). Ich musste jetzt tatsächlich auf das alles in meiner Predigt spontan reagieren, und tat dies auch, obwohl ich normalerweise bei Begräbnissen hier in Kanada auf fertige Unterlagen zurückgreife. Laut Sr. Rose dürfte es aber gepasst haben.
Heute Dienstag - ja ich weiß schon, ihr steht ja jetzt bald mal auf am Mittwoch - war ich am Nachmittag mit einem jüngeren Mann ein wenig in der Gegend unterwegs: Fotos, Film ... - nicht alles konnte ich auf Festplatte bannen - z.B. den Flug des Weißkopfadlers, oder die in frisches Grün getauchten ausgedehnten Wälder - aber auch hier gibt es einen kleinen Youtube-Film - diesmal mit einem ausgewachsenen Schwarzbären als Star.
Mein "Guide" war ein paar mal schon im Pfarrhof auf Besuch, und wir hatten mal ausgemacht, dass er mich mal einen Nachmittag durch die Gegend führt - und heute hat er angerufen. Nur Elch bekamen wir keinen vor die Linse, und einen Wolf konnten wir auch nur aus der Ferne hören. War aber insgesamt ein schöner Nachmittag.
Ja - und am Samstag habe ich ein Begräbnis in Paddle Prairie (70km südlich von High Level), Vorabendmesse in Rainbow Lake; am Sonntag 10:00 High Level und 12:30 Assumption. Montag Nachmittag Erstbeichte in Rainbow Lake ... - so macht man auch seine Kilometer ...
Am vergangenen Sonntag war es so weit. Erstkommunion in Meander River. Nachdem den Kindern, Eltern und der Gemeinde gesagt wurde, dass die Feier schon um 12:00 Mittag beginnt, konnten wir fast pünktlich um 12:40 anfangen. Natürlich war es etwas anders als daheim (na no na net - ist ja auch nicht im Waldviertel *ggg*) aber auf seine Weise war es ein wirklich schönes Fest. Von den 8 Erstkommunikanten kamen tatsächlich 7 und dank Sr. Rose's Vorbereitung war es auch wirklich ein würdiges Fest (obwohl mit der einen oder anderen kleinen Panne - aber was soll's - man weiß ja, wo man hin will). Sogar drei Ministranten hatte ich dabei (die habe ich am Donnerstag davor auf Bitte Sr. Rose' in einem Crashkurs eingewiesen - muss sagen, die waren rather smart). Anschließend gab es ein Putlock mit gedünstetem Elch, Huhn, Panek (Art Native Faschingskrapfen), jede Menge süßes und klebriges Zeug für die Kids, ... Jedenfalls war es wirklich ein schönes Fest.
Im Anschluss ging es dann auf die große Reise nach Wabasca zu einer Diakonenweihe - ich sage nur mal so viel: Überlasse das Organisieren niemals einer philippinischen Klosterschwester; ich habe mich bei dieser Reise darauf verlassen: 1) Der Weg über McLennan ist nicht viel länger als die Gravelroad zwischen Ft. Vermilion und Wabasca (in Wirklichkeit wäre letzteres trotz 280km Gravelroad 2 Stunden weniger Fahrzeit) 2) Es ist alles vorbereitet, wie können in Wabasca im Pfarrhof übernachten - nur wo ist dieser, und wie findet man diesen um ca. Mitternacht (es ist um diese Zeit auch dort schon stockfinster), in einer Streusiedlung von Trailerhomes und Busch zwischendurch - kein Hauptplatz, keine Wegweiser (schon gar nicht zu Kirche), ja nicht einmal der Ort selber ist ausgeschildert (und nebenbei befindet sich die Kirche in Desmarais, aber man sagt jetzt zur ganzen Ansiedlung Wabasca, was aber ursprünglich eine Reserve 6km im Norden war, wo aber die Kirche schon vor etlichen Jahren aufgegeben wurde ...) - Also kurz und gut - nach einer halben Stunde Herumfahrerei habe ich ein Motel gesucht - die waren aber wiederum alle irgendwie geschlossen oder was weiß ich was - und so rauschten wir in ein Noralta Lodge rein, was eigentlich nicht öffentlich, sondern nur für Ölarbeiter wäre. Aber Geld stinkt nicht, und so fanden wir dort ein Quartier; fragt nicht, was das gekostet hat - ich sage nur so viel: ich habe den Schwestern ziemlich deutlich gemacht - bei aller Großzügigkeit meinerseits - ich will Geld sehen (Zimmer mit Frühstück - $160,- netto!!!! - PRO KOPF - Jetzt wisst's warum Treibstoff so teuer ist; aber zumindest war die Qualität entsprechend - sauber and all inklusiv). Aber was soll's - Kreditkarte leistet viel, und mein Konto wird erst im Juni damit belastet, und ich habe ja auch schon den Scheck für die Nächtigung der beiden Schwestern bekommen. Ah so, ich musste natürlich alles mal vorschießen - die Schwestern haben kein Geld - dieser phillipinische MACE - Orden, dem die beiden Schwestern angehören, ist wirklich der erste echte Bettelorden, der mir untergekommen ist. Aber das wäre jetzt wirklich ein anderes Kapitel (und vor allem etwas für Spezialisten). - Zur Diakonweihe selber schreibe ich morgen oder übermorgen ...
Am Donnerstag feierte ich in Meander River in der Elementary School den Aschermittwochgottesdienst. Besonders beeindruckend waren die Traditional Drummers von den Dene Tha. Am Anfang und am Schluss sangen sie ein Gebet in ihrer Sprache.
Lied am Beginn:
Jener, der ihn mir gegeben hat, wird sich schon auskennen ;-))
Nach der Aschenkreuzfeier in der Schule in Chateh bin ich zum Detachment der RCMP (Royal Canadian Mounted Police - kurz Mounties) gefahren. Die Postenkommandantin hat mich eingeladen und einer Ihrer Mitarbeiter hat sogar die Galauniform angezogen für ein Fotoshouting. Gleich vorweg: der betreffende Officer machte es nicht ungern (ich glaub die Mounties sind ein sehr traditionsbewußter Polizeicorps) - Interessant war, dass z.B. die Sporen an den Stiefeln Erbstücke sind (der Officer ist der dritte Eigentümer seit 1952).
Dem Detachment in Assumption sind 6 Polizisten zugeteilt, die im Wesentlichen die ganze Polizeiarbeit auf einem Areal in der Größenordnung von Oberösterreich erledigen (gut, es gibt mal ganze 3 Orte im gesamten Gelände - aber die Entfernungen sind doch zu überwinden). Gleichzeitig im Dienst sind 2 oder manchmal auch nur 1 Officer. Es wird auch ein kleines Gefängnis mit 6 normalen und 2 Ausnüchterungszellen betrieben. Auch übernehmen sie auch die Agenden der Feuerwehr, wenn es notwendig sein sollte (es kommt keine freiwillige Feuerwehr zustande - Fahrzeug gibt es aber eines). Sollten Spezialeinheiten gebraucht werden, benötigt das ca. 15 Stunden, Forensiker können auch schon von Peace River in 5 Stunden da sein. Es wird aber unter den einzelnen Detachments ausgeholfen (High Level ist ja einsatzmäßig gefahren wirklich ein knappe Stunde weg).
Die Officers bleiben im Schnitt zwei Jahre am Dienstort in den Reservaten und kommen dann an andere Dienststellen. Für die Zeit im Reservat haben sie Dienstwohnungen (ich glaube herausgehört zu haben, dass die Polizisten im Reservat leben müssen - aber beschwören kann ich es nicht)
Am vergangenen Freitag, dem 20. Februar, hatte ich mein zweites Begräbnis in Meander River. Diesmal war es ein 31jähriger Mann, der als Lastwagenfahrer in Edmonton gearbeitet hat. Er wurde am Vorabend des Valentinstages in einer Bar in Edmonton erstochen, und konnte trotz sofortiger Einlieferung ins Krankenhaus nicht mehr gerettet werden. Er hinterlässt eine Lebensgefährtin und einen etwa 10 Jahre alten Sohn.
Für mich sehr beeindruckend war die Mutter des Getöteten. Sie hat das Begräbnis wirklich sehr gut vorbereitet - es war sogar ein kleiner Chor und ein Gitarrist zur Verfügung. Die Musik selber war eher nicht mein Geschmack (Country Style) - aber andere Länder, andere Sitten. Jedenfalls waren sehr viele Menschen in der Kirche in Meander River.
Angehörige lasen die Lesung und auch die Fürbitten. Betroffen hat mich gemacht, dass der Sohn der Verstorbenen am Ende der Hl. Messe einen Brief an seinen Vater verlas. Eine Schwester von ihm trug ein Gedicht vor - und was ich bei den letzten beiden Begräbnissen im Meander River mitbekommen habe, scheint es Tradition zu sein, eine sogenannte Eulogy zu halten (etwas, was bei uns eher nur bei Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gemacht wird). Anschließend verabschieden sich alle einzeln am offenen Sarg, dabei kommen auch Zärtlichkeitsbezeugungen wie streicheln oder Küssen des Leichnams vor. Anschließend wird der Sarg in einen Truck eines Familienangehörigen verfrachtet und zum Friedhof gebracht.
Im letzten Fall war das aber die traditionelle Burial Site in Indian Cabins, mehr als 100km nördlich von Meander River.
Wie ich dort mit der mich begleitenden geistlichen Schwester dort eintraf, brannte dort in der Nähe der Grabstelle ein Lagerfeuer und heißer Tee wurde an derselben gekocht. Nach einiger Zeit kamen eher lose verteilt die anderen und der Truck mit dem Sarg. Ich verwendete den Kurzritus für Beerdigungen, erweiterte ihn aber um ein paar Symbole aus unserer Tradition (Erde - mit Deutung und Einstecken des Kreuzes in die Erde).
Was auch noch interessant ist: Die Leute kommen eher informell gekleidet zu Begräbnissen (ich muss ehrlich sein, ich habe auch nur die Stola über meine Lederjacke geworfen - es ist auf den traditionellen Friedhöfen eher rustikal, und da das Wetter eher wärmer war, wollte ich meine Albe nicht verschmutzen). Und das Grab wird noch während des Nachwerfens von Erde auch gleich zugeschaufelt. Es sind 2 oder 3 Schaufeln am Grab und ein paar Leute geben auch gleich mal 2 oder 3 Schaufeln voll Erde in das Grab - andere geben eher tradtionell eine Handvoll hinein - und das Totenmahl fand offensichtlich gleich beim Friedhof statt (nur Sr. Rose und ich wollten noch zu den Alexandra Falls, so dass wir doch nach dem Begräbnis sehr schnell weiterfuhren).
Apropos Alexandra Falls
diesmal habe ich etwas schönere Fotos von diesem gemacht (diesmal hatte es ja frühlingshafte -4° und es war noch dazu windstill und sonnig)
enjoy them
Monika ist Pastoral Animator (so heißen die Pastoralassistenten hier in der Diözese) in Fort Vermilion. Sie und ihr Mann stammen aus Westberlin und sind vor ca. 20 Jahren zuerst nach Den Haag, anschließend 2 Jahre nach England und danach nach Kanada ausgewandert - mit von der Partie waren die jetzt erwachsenen vier Kinder. Klaus arbeitet in der Computerbranche und Monika absolvierte ihr Theologiestudium (Bachelor of Theologie) am John-Henry-Newman College in Edmonton. Sie schloss im Jahr 2006 als damals älteste Studentin mit knapp 50 Jahren ihr Studium ab und erhielt dann gleich das Angebot, in den Norden nach Fort Vermilion zu ziehen. Und jetzt leben sie und ihr Mann leben nun im Pfarrhof von Fort Vermilion.
Ich war dort am Donnerstag zum Abendessen eingeladen (und zur Übernachtung, weil ich ja am nächsten Morgen weiter nach Fox Lake musste) - der Abend war für mich sehr spannend. Soweit ich mitbekommen habe, ist Monika in fact eine Stütze des Bishofs in dieser Region - er scheint sich in vielen Dingen mit ihr zu beraten (es ist schon lustig, dass ihr die Aufgabe zufiel, meinen Priesterkollegen in High Level zu animieren, zu einem diözesanen Priestertreffen am kommenden Dienstag nach McLennan zu fahren - eigentlich wollte er es sich sparen - nein er ist kein P... - er ist Philipino ...; nun wird er mit mir mitfahren).
Die Gegend um Fort Vermilion ist sehr bunt bevölkert. Es ist die nördlichste Region in Kanada, wo noch Landwirtschaft betrieben wird. Eigentlich hat mich das angesichts der nahezu arktischen Bedingungen hier sehr verwundert. Aber Monika wies mich darauf hin, dass hier in Summe die selben Sonnenstunden wie in Calgary im Süden sind - nur halt etwas anders verteilt - im Sommer wird es hier nicht mehr wirklich finster. Die Sonne verschwindet dann vielleicht mal gerade für 5 Stunden hinter dem Horizont. Sie selber baut in ihrem Garten Gemüse an, erntet Himbeeren und andere einheimische Beeren, hält sich ein paar Hühner im Garten (obwohl lt, Gemeindeordnung verboten) und bekommt auch Fleisch von Farmern der Umgebung (bzw. Büffelfleisch und Deer von manchen Natives). Es wird sogar auf großer Fläche Gerste und Roggen angebaut obwohl mit der Aussaat oft erst im Mai begonnen werden kann (aber dann dürfte es wirklich sehr schnell gehen). Um auf die bunte Bevölkerung zurückzukommen: Neben diversen Natives (im Wesentlichen Cree und Beaver) kommen dazu noch relativ viele Deutsch- und Holländischstämmige - teils Katholiken, teils andere Konfessionen und sehr auffällig: Mennoniten. Umgangssprache ist aber Englisch, weil bis auf die Mennoniten (und die sprechen ein alte Plattdeutsch) nur noch selten die deutsche Sprache gepflegt wird. Und natürlich gibt es auch die "normalen" Englischsprecher.
Als Pastoral-Animator hat sie die komplette Verantwortung in nahezu allen pastoralen Belangen. Priester "borgt sie sich aus", wenn sie sie braucht. F. Henry von High Level ist sozusagen "ihr Priester" - hat aber im operativen Geschäft nicht wirklich was zu sagen (um ehrlich zu sein, schaut er auch nicht so aus, als dass ihm das ein Problem sei - macht ja Arbeit ...). Bilder von der Winter Road nach Fox Lake
Der erste Abschnitt nach Verlassen von Fort Vermilion führt etwa 30km entlang einer Gravelroad - diese Straßen sind die normalen Nebenstraßen im Norden Kanadas (ganz im Norden werden sogar Highways als Gravelroad geführt - das geht dann schon gewaltig auf den Verschleiß der Reifen) - Höchstgeschwindigkeit 80km/h Danach kommt für 40km eine zweispurige Forststraße. Da an diesem Tag im Wald gearbeitet wurde und der Weg ein öffentlicher regulärer Verkehrsweg ist, stand am Beginn dieser Straße ein "Advisor". Der hat Aufgabe jedes in das Gebiet einfahrende auto zu melden, den Fahrer auf allfällige Gefahren durch Schwerlaster aufmerksam zu machen und auf die Höchstgeschwindigkeit (60km/h) hinzuweisen. Am Ende der Arbeitszone steht übrigens auch ein Advisor - was nichts anderes heißt, dass Du eigentlich nicht verloren gehen kannst, weil auch das Verlassen des Fahrzeuges gemeldet wird.
Danach kommt die Bushroad - die ist nur einspurig mit relativ vielen Ausweichen und doch etwas rauer als die anderen beiden Straßentypen (Streckenlänge ca. 30km - also 60km/h bin ich nicht gefahren)
Und für mich als Mitteleuropäer am faszinierendsten waren natürlich die zwei Flussquerungen über eine Eisbrücke - über diese fahren auch 60t LKW! - In den nächsten Wochen werde ich einmal nach Yellowknife fahren. Dabei ist der McKenzie über eine 3km lange Eisbrücke zu queren (für Interessierte: in Google Earth Fort Providence, North West Territories suchen)
Die gesamte Fahrtzeit beträgt von Fort Vermilion bis nach Fox Lake (ca. 100km) etwa zwei Stunden. Und im Anschluss gibts noch ein paar weitere Bilder von dieser Fahrt
So heute gibts einmal ein wenig "arktische Realienkunde" - was muss man anziehen bei Temperaturen unter -30° Zuerst einmal die Richtige Unterwäsche: lange Unterhose und langärmeliges Unterhemd aus Merinowolle - ziemlich schweres Gewebe (und nicht ganz billig) und natürlich einen Sweater (auch schwer, mit Innenfutter) - etwas dickere Socken und darüber eine ganz normale Jean.
Danach Gesichtsschutz und gegebenfalls Haube
Danach Daunenparka mit Kaputze:
weiter geht es dann mit den Schneestiefeln (bis -73° zertifiziert)
Also das Übergewand zusammen:
Ja - und zum Thema Kaputze mit dem scheinbar unvermeidlichen Fell: Also das ist kein nettes Assecoir sondern vielmehr ganz wichtig, um das Gesicht vor Erfrierungen zu schützen - die aufgesetze Kaputze schützt das Genick und vorne wird durch die Haare des Fells ein Art Kälteschutzpolster geschaffen. Die eigene Atemluft wärmt den Raum vor dem Gesicht und das Fell verhindert das unmittelbare Ablaufen der warmen Luft. Außerdem werden bei Schneefall die Flocken vom Gesicht ferngehalten. Zur Illustration ein Bild, wie das aussieht:
So und jetzt schreckt mich eigentlich kein Wetterbericht mehr (zumindest wenn es um Kälte geht) - heute war ich z.B. bei -34° spazieren (möglicherweise Windchill bei -40°; in der Nacht war bei -38° ein Windchill von -65° angegeben - aber jetzt fange ich schon an wie fast alle Kanadier über das Wetter zu sprechen)
Morgen habe ich ein Begräbnis - muss dafür nach Fox Lake - um die 3,5 Stunden Autofahrt von Chateh (also dürften es etwa 270 bis 300km dort hin sein)
Nach der „Bescherung“ bin ich mit dem Auto wieder zum See gefahren – es hatte gerade mal – 27° (um 15:00 – gegen 16:00 – Sonnenuntergang hatte es gerade mal -30°) - Bäume, Sträucher, Gräser scheinen zu einer Passion von mir zu werden …