Samstag, 30. Mai 2009
Wer immer sich über den ORF beschwert ...
Samstag, 7. März 2009
Pax Britannica??
Im alten Rom gab es das Wort von der Pax Romana. Besonders ab Kaiser Augustus (nachdem er sich seiner Konkurrenten Antonius und Pompejus entledigt hatte - war dabei übrigens gar nicht zimperlich) wurde es sehr gebräuchlich, um sozusagen die Kriegsziele des römischen Heeres eigentlich für die nächsten Jahrhunderte zu definieren: Ziel römischer Expansion war offiziell eigentlich nie Eroberung um des Landgewinnes sondern es ging um Befriedung und Expansion der Zivilisation (sozusagen als Staatsidee) gegen die so genannten Barbaren (die Fremdvölker - die "Stammler" wie das griechische βάρβαρος auf Deutsch bedeutet). Dabei war man über die Zeiten wirklich nicht zimperlich und die generelle Idee im römischen Reich war, die Völker letztendlich römisch zu assimilieren (was irgendwie auch gelungen scheint, man bedenke nur die Verbreitung der romanischen Sprachen von Portugal über Frankreich bis nach Rumänien), auch wenn ein gehöriger Schuss griechischer Kultur hinzukam und gerade in der Spätzeit des römischen Reiches auch orientalische Einflüsse immer stärker wurden. Also, das war mal nur zum Verständnis der Überschrift.
Seit ich hier im Norden Albertas bin, wurde ich schon des öfteren mit dem Begriff der sogenannten Residential Schools konfrontiert. Diese Schulen dürften auf die Urbevölkerung Kanadas mit ihren Hauptgruppen der First Nations, der Inuit im Norden und der sogenannten Metìs einen ganz gewaltigen negativen Einfluss gehabt haben. Über die Details kann man ganz gut in Wikipedia nachlesen ... Um was es mir hier geht, ist, dass ich denke, auch wenn ich das übrige dazunehme, was ich von der Geschichte Kanadas bis jetzt erfahren habe, dass es vergleichbar mit der römischen Pax Romana eine Pax Britannica gibt.
Durch die ganze Zeit, nahezu seit der Zeit ihrer Ankunft im 17. Jahrhundert, versuchten besonders britisch-stämmige Kanadier sozusagen eine Leitkultur herauszubilden, der zu assimilieren es sich gilt (oder auch galt - das aber festzustellen, bedarf es mehr als eines Jahres Aufenthalt). Das hat auf jene Gruppen in Kanada einen massiven Impakt, die nicht dieser Leitkultur angehören - einmal natürlich auf die Urbevölkerung, die teilweise brutal im 19. Jahrhundert in Verträge hineingepresst wurden, die heute noch immer gelten, bzw. auf die Frankokanadier, deren Sprache erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts auch außerhalb der Provinz Quebec als gleichwertige Amtssprache anerkannt wurde (nachdem in dieser Zeit Kanada hart an der Grenze bewaffneter Auseinandersetzungen gestanden hat - und die Idee eines unabhängigen frankophonen Staates Quebec geistert noch immer mehr oder weniger deutlich in der Gesellschaft herum).
Natürlich: Es kann heute überall französisch gesprochen werden, auch vor Ämtern in Kanada (auch wenn die Frankokanadier sicher besser Englisch beherrschen als es umgekehrt der Fall ist - in punkto Faulheit zum Fremdsprachenerwerb können es die Anglokanadier durchaus mit den Deutsch sprechenden aufnehmen); auch gibt es seit den 80er Jahren keine Residential-Schools mehr (es wurden im Gegenteil gewaltige Summen an Wiedergutmachung ausgezahlt - zynisch gesprochen kommt diese jetzt sowieso wieder den "Weißen" zu gute, weil es ist ja schon faszinierend, wie viele neue Autos - und zwar keine kleinen - in den Reservaten unterwegs sind - auch eine Form eines vorgezogenen stimulus packages).
Aber was auffällt: Unterschwellig nehme ich von Seiten der anglokanadischen Bevölkerung bei aller Freundlichkeit und Höflichkeit doch eine gewisse Spannung war - oder ich möchte es eher eine kühl berechnende Form der Aggression bezeichnen. Das äußert sich einmal im Umgang mit der Natur, in der Art, wie über jene sich geäußert wird, die nicht so ganz dem common way of life sich anpassen - und obwohl um einiges sicherer als der große Nachbar im Süden, ist doch die Anzahl der Gewaltdelikte nicht unerheblich. Ein weiteres Indiz für diese latente Gewaltbereitschaft, die sich, wie gesagt irgendwie ganz gut verbirgt, aber doch irgendwie spürbar wird, ist Eishockey - zumindest wie dieser Sport hier betrieben wird. Ich habe immer gemeint, dass Bodychecks einfach passieren aber es im wesentlichen darum geht, einen Puck im gegnerischen Tor zu versenken - weit gefehlt: Es geht um den Kampf (es soll sogar in der ersten Liga Spieler geben, die als Eishockeyspieler eher mittelmäßig sind, aber dafür zu raufen wissen) und Raufereien am Eis werden hier als Höhepunkte gehandelt. Aber es wird vollmundig verkündet, dass dieser Sport die Nation zusammenbringt (Assoziationen mit dem Kollosseum und dem Prinzip Panem et Circenses steigen mir da auf) - Botschaft auf CBC: "Watch Hockey Nigth in Canada! - The sport which brings our Nation close together" - Vor Weihnachten starb übrigens ein Hockey-Player an einem Schädel-Hirn-Trauma als Folge einer solchen Rauferei (aber anstatt jetzt massiv die Regeln entsprechend abzustimmen, damit diese Raufereien verschwinden, wird tatsächlich prominentest für das Weiterbestehen dieser Raufereien eingetreten - Gladiatorenkämpfe).
Wenn ich dieser Wahrnehmung jetzt noch so manche historischen Gegebenheiten der letzten 500 Jahre hinzufüge, so manch Philosphien aus dem angloamerikanischen Raum ansehe, die teilweise Brutalität von weltanschaulichen Auseinandersetzungen in Nordamerika betrachte, komme ich nicht umhin, eine stark individualisierte Gesellschaft vor mir zu sehen, die mehr oder weniger mühsam durch Traditionen und Regeln zusammengehalten wird.
Irgendwann werde ich weiterschreiben ...
God bless you
Sonntag, 1. März 2009
Biertisch und Journalismus
- Zum Argument, dass Menschen aus ganz Kanada dort Arbeit fanden. Warum wird nicht genug unternommen, um die Binnenwirtschaft der Herkunftsregionen zu stärken - Weil eines ist auch klar: die ganzen Ölsiedlungen (auch in meiner Gegend - Zama und Rainbow Lake) sind nur für die Boomzeit aus dem Boden gestampfte Trailersiedlungen, die genau so schnell verschwunden sein werden, wie sie auftauchten (nachdem man den eigentlichen Eigentümern das Land um ein paar Kreuzer und billige Versprechungen abgeluchst hatte)
- Die Abraumhalden vergiften auf Dauer die Umwelt - es gibt erste Berichte dass in der Siedlung Fort Chipewan es zu einer auffälligen Häufung an Krebserkrankungen über Jahre hindurch kommt (die ist tatsächlich statistisch signifikant)
- Die traditionellen Jagd- und Fischereigründe der ansässigen Wood-Cree sind auf Generationen geschädigt, womit diesen Ethnien endgültig ihre angestammte Lebensgrundlage entzogen ist.
- Bei allen lieben und netten Aktionen (z.B. One Million Acts of Green) bleiben die Ansagen der Politik im Bereich Umweltschutz sehr vage (da können Österreichs Grüne noch so gegen unsere Regierung wettern; im Vergleich zu dem in den Medien vermittelten kanadischen Grünprogramm ist eine allfällige Betriebsanlagengenehmigung einer Zementfabrik aus den 70er Jahren ein Grünmanifest)
Freitag, 13. Februar 2009
Olympiade und Pathos
Im Jahr 2010 findet in Vancouver die Winterolympiade statt. Was mich fasziniert ist, dass dieses Ereignis medial genutzt wird - zumindest habe ich für mich den Eindruck gewonnen - um so eine Art "kanadisches Wir-Gefühl" zu befördern. Z. B. wird von ca. insgesamt 12 000 Läufern, die Fackel mit dem Olympischen Feuer quer durch das Land, von Newfoundland-Labrador quer durch alle Provinzen bis in den äußersten Westen nach Vancouver transportiert. Dafür wurde von der Fa. Bombadier (die machen normalerweise Straßenbahnen u.ä.) eine eigene Fackel entwickelt.
So weit so gut - was mich als Europäer eigenartig anmutet, ist der Pathos, mit dem das alles kommuniziert wird. Richtiggehend wird Einheitsgefühl beschwört. Sei es durch Musik, Bilder und auch die Wahl der Sprache - alles strotzt meines Empfindens nach von Pathos und dieser Pathos findet auch Eingang in die ganz normalen Nachrichten.Überhaupt werde ich generell den Eindruck nicht los, dass in Kanada das Nationalgefühl nahezu schon fanatische-religiöse Züge annimmt. Z. B. hatte in einer kleinen Grundschule in New Brunswick im Osten ein Schuldirektor das tägliche Abspielen und Absingen der Nationalhymne ziemlich reduziert (von täglich auf einmal monatlich) - Folge: Debatten im Nationalparlament in Ottawa, Psychoterror für den betreffenden Direktor und immerhin weiß ich auch von der ganzen Geschichte am Anfang vom Nirgendwo (ca. um die 5000 km entfernt) - es wurde ja immerhin über zwei Wochen lang immer wieder in den Nachrichten aufgefrischt.
Ohne es natürlich beweisen zu können, habe ich das Gefühl, dass doch versucht wird, diesen zweitgrößten Flächenstaat der Welt (mit gerade so viel Einwohnern wie Spanien oder Polen), mit seinen vielen Ethnien mittels einer Art "Staatsreligion" zusammenzuhalten.
Donnerstag, 29. Januar 2009
Sich als Opfer beklagen - oder selbstverantwortet leben
Was ich da las, war die Bestätigung einer Theorie, die ich den letzten Wochen mir zurechtlegte angesichts der hier im Reservat bestehenden Zustände:
Die Menschen hier sind Opfer ungerechter Entwicklungen in den letzten Jahrhunderten - keine Frage. Das Problem aber ist, dass sich die Opferrolle in den Köpfen der Menschen sehr tief eingebrannt hat. Alle Mißstände werden aus dieser Opferrolle heraus verstanden. Ob das nun Alkoholismus, Kindesmissbrauch, Frühschwangerschaften, Drogenmissbrauch, Armut, ... sind - ganz egal: Schuld ist der weiße Mann, die Boarding Schools zwischen 1920 und 1970 ... - Na ja, die Tatsache selbst wird ja bei den meisten Verantwortungsträger zumindest offiziell nicht mehr bestritten (es gibt dazu ja auch Studien und sogar Gerichtsurteile, die das feststellen) - ABER: das Gro´s der indigenen Bevölkerung unternimmt nicht einmal im Ansatz Anstrengungen, aus dieser Opferrolle auszubrechen. Es scheint in einer gewissen Weise bequem zu sein, sich immer nur zu beschweren und die Hand aufzuhalten, als dass der/die einzelne daran geht, diese Rolle als Opfer zu verändern.
Im Gegenteil, ich persönlich werde den Verdacht nicht los, dass dieses ganze System der Reservate und der öffentlichen Unterstützung für alle Beteiligten gewissermaßen eine Art Ruhekissen darstellt. Die Indigenas können leidlich bequem von der öffentlichen Fürsorge leben und die jetzige Mehrheitsbevölkerung erspart sich eine womöglich schmerzliche Auseinandersetzung mit den Defiziten der eigenen Lebensart, sollte wirklich aus dem Neben- ein Miteinander der Kulturen werden (schmerzlich wäre es natürlich auch für die Indigenas, die sich dann der Aufgabe gegenüber sehen würden, ihre Kultur in die Lebenswelt des 21. Jahrhunderts hineinzutransformieren - nicht aufzugeben!) .
Wobei mir natürlich sofort in den Sinn kommt, dass diese Haltung des Opferseins und des darin Verharrens ja nicht etwas ist, dass etwa nur bei den Natives Nordamerikas zu finden wäre - diese Haltung der Victimisierung wird auch in unseren Breiten von jung und alt in nicht unerheblichem Maße praktiziert. Letzendlich gilt aber hier wie dort:
Man kommt nur weiter im Leben (ganz egal ob als einzelner oder auch als Gemeinschaft) wenn man sich aus der Opferrolle befreit und beginnt, Verantwortung für sich selbst und für andere zu übernehmen.
Ich denke eine gute Übung könnte schon mal sein, seine Kinder zu unterstützen, Fehler als eigene anzuerkennen; sich zu überlegen, was man vielleicht selber besser machen kann und dann es auch tun. Notwendig scheint mir auch eine Kultur des Vergebens und Verzeihens, die wohl festhält, wo Unrecht geschieht oder geschehen ist, aber dann auch Lösungen versucht zu erarbeiten, die Neues wachsen und entstehen lässt.
Als Christen, denke ich, dürfen wir die Zuversicht haben, damit nicht allein dazustehen, sondern getragen zu sein von der Kraft Gottes. Wer in seinem Leben auf Gott vertraut, wird entdecken, dass gerade dieser echte und wahre Glaube jene Freiheit schenkt, die uns auf Zukunft zugehen lässt, trotz aller zweifelsohne erfahrenen Ungerechtigkeiten.
God bless you
Dienstag, 27. Januar 2009
Die Kanadier und ihre Zettelwirtschaft
Heute war ein Mann bei mir, der um Pension ansuchen möchte. Er hat aber die Schwierigkeit, dass auf jedem Dokument, das er hat, scheinbar andere Daten stehen (angefangen bei der Schreibweise des Namens bist sogar zum Geburtsdatum). Seine Taufpfarre (Indian Cabins) ist seit den 60ern abgekommen, die Bücher sind in McLennan (er wurde aber nach Fort Vermilion verwiesen). Es dürfte eine Gegebenheit in diesem Lande sein, dass die meist frankophonen Missionare die Namen in französischer Schreibweise in ihre Taufbücher aufgenommen haben. Nach dem 2. Weltkrieg wurden dann die Natives auch von staatlichen Behörden (angloamerikanisch) erfasst, und die verwendeten dann eine englische Schreibweise und kümmerten sich scheinbar auch sonst nicht allzuviel um die Aufzeichnungen in den Taufbüchern. Das Problem ist aber nun, dass jetzt die Behörden nach der Erstaufzeichnung (sprich Taufeintrag) fragen und dann kommen halt die Schwierigkeiten auf. Lustig ist nur, dass die Behörden IHREN Fehler (nicht Abgleichen der Aufzeichnungen) nun auf die Klienten und die Kirche abschieben. Der Mann heute hatte ein dickes Paket an Papieren bei sich, das er sozusagen abarbeiten muss - verrückt ... (zumindest kommt es mir so vor)
Ganz was anderes: Jetzt habe ich mein erstes Begräbnis in meinem Verantwortungsbereich. Voraussichtlich am Wochenende in Meander River. Der Verstorbene gehört vom letzten Wohnsitz her eigentlich nach High Level, aber der dortige Pfarrer, ein Philipino hat es vorgezogen, gleich einmal sein Kommen ins dortige Spital zu verneinen; sodass die Schwiegertochter ziemlich angefressen mich angerufen hat. Natürlich werde ich meine Arbeit tun (ich werde auch zur ersten Totenwache gehen - soll eine ganz interessante Erfahrung werden, hat mir Monika gesagt), aber eines muss ich schon feststellen - diese Nachbarschaft kommt mir ganz und gar vertraut vor, also es dürften manche Priester aus P.... und den P......... scheinbar mehr gemeinsam haben als den ersten Buchstaben im Wort ... (so Gerhard: nicht boshaft sein; tutu)
God bless you
Montag, 26. Januar 2009
Etwas für Feinspitze
and additionally I found the lyrics to this song
I wrote "Universal Soldier" in the basement of The Purple Onion coffee house in Toronto in the early sixties. It's about individual responsibility for war and how the old feudal thinking kills us all. Donovan had a hit with it in 1965.
He's five feet two and he's six feet four
He fights with missiles and with spears
He's all of 31 and he's only 17
He's been a soldier for a thousand years
He's a Catholic, a Hindu, an atheist, a Jain,
a Buddhist and a Baptist and a Jew
and he knows he shouldn't kill
and he knows he always will
kill you for me my friend and me for you
And he's fighting for Canada,
he's fighting for France,
he's fighting for the USA,
and he's fighting for the Russians
and he's fighting for Japan,
and he thinks we'll put an end to war this way
And he's fighting for Democracy
and fighting for the Reds
He says it's for the peace of all
He's the one who must decide
who's to live and who's to die
and he never sees the writing on the walls
But without him how would Hitler have
condemned him at Dachau
Without him Caesar would have stood alone
He's the one who gives his body
as a weapon to a war
and without him all this killing can't go on
He's the universal soldier and he
really is to blame
His orders come from far away no more
They come from him, and you, and me
and brothers can't you see
this is not the way we put an end to war.
Mittwoch, 21. Januar 2009
Heute gibt es wieder jede Menge Lesestoff
Am Dienstag habe ich an einer Seelsorgekonferenz in McLennan teilgenommen - fast alle waren da (trotz der Ausdehnung der Diözese): F. Eherer aus Grand Prairie (er war jener Priester, der mich seinerzeit noch vom Flughafen in Toronto abgeholt hat) ganz im Süden, wie auch die beiden Sta. Christiana-Schwestern von John Dor Prairie ganz im Nordosten, von Lesser Slave Lake bis natürlich meine Wenigkeit der im äußersten Nordosten residiert - Lay-Ministers genauso wie Diakone und natürlich Archbishop Pettipas. Thema war nichts geringeres als die Vorstellung der Ergebnisse einer umfassenden Umfrage unter Pfarrern und Pfarrangehörigen im vergangenen Herbst und die Beratung der Ergebnisse - gleich vorweg, es war ein wirklich fruchtbarer Studientag und das Betriebsklima in dieser Diözese war einfach umwerfend - obwohl eigentlich nur Gast, wurde auch ich herzlich in dieser Runde aufgenommen - man hörte einander zu, und die Person des Erzbischofs Pettipas fasziniert mich sowieso. Der Mann ist so etwas von geerdet auf der einen Seite aber auf der anderen Seite geht von ihm so sprühende Glaubensfreude und Spiritualiät aus, die ihresgleichen oft im österreichischen Episkopat - sagen wir - nicht so zum Vorschein kommt ...
Etwas war ganz und gar lustig - und das werden wahrscheinlich nur Mitglieder meiner Familie verstehen - ich versuche es trotzdem zu erklären. Als ich noch ein Kind war, geschah es des öfteren, dass Leute aus der entfernteren Verwandschaft (Straninger Zweig) bei mir feststellten: " Ja, er hat ja wirklich ein Schneidergesicht" (zur Erklärung "Schneider" ist ein Zweig der mütterlichen Verwandtschaft - meine Großmutter mütterlicherseits war eine geborene Schneider und es gibt einige Cousins und Cousinen meiner verstorbenen leiblichen Mutter). Eine dieser eben angesprochenen Cousinen ist Mitglied der kleinen Ordensgemeinschaft der Santa Christiana Schwestern.
Und wie es nun kommen soll, sahen die beiden Schwestern von John D'or Prairie mich heute Dienstag das erste Mal (trotzdem sie sozusagen im gleichen Seelsorgsbezirk arbeiten, sind ja doch an die 250km zwischen uns) - und - wie vor vielleicht 35 Jahren - "irgendwie schaust du Schwester Elisabeth (meine "Tante") ähnlich" - und das irgendwo am Ende der Welt; ist schon wirklich faszinierend - also: Die Welt ist wirklich klein. Ich werde in den nächsten Monaten sie mal in ihrer Pfarre besuchen: die Schwestern sind schon knapp 50 Jahre am Ort und haben es wirklich geschafft ein prosperierendes Gemeindeleben in ihrem Reservat auf die Beine zu stellen - was bei den Natives des Nordwestens ja wirklich nicht leicht ist.
Die Konferenz selber war wie gesagt sehr anregend. Nach der Vorstellung der Ergebnisse des Surveys wurden wir in drei Gruppen geteilt um zu drei Themen Stichworte zu sammeln. Meine Gruppe beriet über das Verteilen und Rekrutieren von Priestern. Diese Diözese muss mit mehreren Problemen umgehen:
- Ausdehnung: ca. 225 000 km2 - in Nord-Süd ca. 700km West-Ost ca. 300 - 400km (im Norden ist die Diözese ein wenig schmäler als im Süden - die Grenzen laufen exakt entlang der gedachten kürzesten Verbindung zwischen Nordpol und Äquator)
- Bevölkerung: Grob gefaßt 3 große Gruppen (wobei eine Gruppe davon eigentlich auch aus einigen komplett verschiedenen Ethnien besteht) mit teils komplett verschiedenen "Kulturen": Englischsprechende, Frankophone und Natives/Metis ("Mischlinge" Weiß/Natives - haben eine eigene Kultur entwickelt)
- die religiöse Pluralität ist sowieso selbstverständlich
- Finanzen
- nur wenige einheimische Priester (und keine Natives/Metis)
- selbstverständlich das Klima und die Abgeschiedenheit der einzelnen Pfarren und Missionen
- 66 Pfarren/Missionen, 22 Priester, einige weitere Schwestern, einige Lay-Ministers - abgesehen vom allbekannten Priestermangel (und "Schwestermangel") finden sich auch kaum Lay-Ministers (Bezahlung, allgemeine Lage Pfarren/Missionen, bei den Indigenas kommen noch ein paar spezifische Probleme dazu - dazu später - würde hier den Rahmen sprengen).
Jedenfalls hatten wir ein an regendes Gespräch in unserer Runde.
Abschließend gab Erzbischof Pettipas noch einige Statements und dankte sich in ehrlichen und bewegten Worten für die Arbeit aller. Vor allem erwähnte er aber hier die Schwester der verschiedenen Kongregationen, die oft jahrzehntelang in aller Stille großartige Arbeit leisten - namentlich die Sr. Bernadette und Sr. Jeanette von John D'or Prairie - ich glaube zu deren Pfarre lege ich hier mal einen Link: St. Joseph, John D'or Prairie
So - jetzt habt ihr mal genug zu lesen. Ich packe morgen die Gelegenheit beim Schopf und werde in aller Frühe nach Edmonton (um die 450 weitere Kilometer) aufbrechen um mir mal einen richtigen City-Tag zu geben (ein bisschen durch die Stadt schlendern, vielleicht a bisserl was einkaufen, ordentlich ins Café gehen ...) - übernachten werde ich bei den OMIs in St. Albert, und am Donnerstag in der Früh wieder in den Norden aufbrechen.
God bless you
Mittwoch, 14. Januar 2009
Probleme in der Community - der zweite Teil
Wenn von Native American die Rede ist, dann haben nicht wenige Westeuropäer eine Reihe von Assoziationen, die nicht selten einen gewissen Romantizismus wiedergeben. Bei mir war es auch nicht anders. Da ist die Rede von Naturverbundenheit, von Spiritualität - ja, der edle Wilde geistert durch unsere von James Fennimore Cooper (Lederstrumpf; Der letzte Mohikaner) und Karl May (Winnetou 1,2,3 u.v.a.) geprägten Vorstellungen von den Ureinwohnern Nordamerikas. Die Wirklichkeit ist leider um vieles prosaischer und vor allem mich trauriger stimmend.
Grundsätzlich dürfte es so sein, dass diese Bevölkerungsgruppe in den letzten Jahrzehnten von der Lebensweise eiszeitlicher Jäger und Sammler (unabhängig davon, dass sie schon durch Jahrhunderte Schusswaffen gebrauchen und im wesentlichen moderne Kleidung tragen) in unseren Kulturkreis hineinverpflanzt wurden - und das in diesem Tempo eigentlich gar nicht gelingen kann.Ich beginne mal zu skizzieren, welche Grundhaltungen eiszeitliche Jäger und Sammler bestimmt haben:
Zuerst galt es die Ressourcen die in der kargen Natur geboten waren schonendst zu nutzen - knapp waren genießbare Pflanzen ebenso wie jagdbares Wild, knapp war auch die Sommerzeit mit seinem angenehmen Klima. Somit wurden hier zwei Dinge wichtig: Nur aus der Natur zu nehmen, was man braucht und seine eigene Energie zu schonen. Nachdem nicht gesät und geerntet wird, bedarf es eigentlich nicht wirklich eines Zeitbegriffes - wichtiger war allemal Zeit und Raum zu wissen, wo z.B. Caribuherden durchziehen - bzw. diesen gleich mal in einem gewissen Maße zu folgen. - Wenn ich diese beiden Faktoren in meine Denkkategorien übersetze, heißt das: Das zu tun, was unmittelbar wichtig erscheint, sobald sich eine Gelegenheit ergibt oder etwas zu tun ist (und dabei länger geplantes aus dem Auge zu verlieren) oder was einem gerade wichtig erscheint. Und ich nehme das was ich brauche (was z.B. auch Diebstahl von Kleinigkeiten beinhalten kann).Natürlich ist klar, dass dieses Lebenskonzept, das in keiner Weise den Begriff Planung beinhaltet, in unseren modernen Gesellschaften zum Scheitern verurteilt ist.
Nun bestünde durch die z. großen Teil autonomen Reservate natürlich die Möglichkeit eine Art Neuinterpretation ihrer alten Lebensart zu leben (die Inuit im Hohen Norden tun dies teils ziemlich erfolgreich und haben sogar ihren eigenen Bundesstaat - Nunavut) - aber dem steht das "Energiesparen" entgegen. Warum soll man Fallen stellen und Jagen gehen, wenn man von der Regierung sowieso Sozialhilfe erhält?Dazu kommt noch, dass durch einen sicherlich falschen Versuch die Ureinwohner zu integrieren, indem man ihre Kinder (gegen deren Willen) in Internatsschulen verfrachtete, um ihnen die kanadische Lebensart beizubringen (so geschehen zwischen 1920 und 1970), viel Leid über viele Familien gebracht wurde.
Nun wir befinden uns im angelsächsischen Rechtssystem, irgendwelche Rechtsanwälte bekamen eine Studie zu Gesicht, in der die Ungerechtigkeit dieser Schulen herausgearbeitet wurde, und offerierten den Ureinwohnern, sie bei Schadenersatzansprüchen vor Gericht zu vertreten (gegen 20 - 30% des bei Gericht erstrittenen Betrages - wenn nicht mehr). Kurz gesagt: die Klagen hatten Erfolg und teilweise erhalten jetzt einzelne Betroffene bis zu $1000,- /Monat als Wiedergutmachung. Nur leider wird dieses Geld meist in unnötige Dinge angelegt und nicht selten zu einem guten Teil einfach versoffen.Auch die Kirchen (als Träger sehr vieler solcher Internatsschulen) haben eine Summe von etwa 50 Mio. $ bereitzustellen - aber dieses wird nicht an einzelne Betroffene ausgeschüttet, sondern dient vielmehr zum Aufbau kanadaweiter "Healing Services" - professionelle Dienste und Projekte, um die Natives in ihren Anliegen zu unterstützen - diese Projekte sollen sich über mehrere Jahre erstrecken. - Vielleicht könnte man zynisch bemerken, dass die Kirche nun mit ihrer Wiedergutmachung den Schaden repariert, den die staatliche Wiedergutmachung angerichtet hat ... Naja, den Rechtsanwälten kann es nur Recht sein - sie haben ihr Schärflein kassiert ...
Demnächst geht es weiterMittwoch, 7. Januar 2009
Ein beeindruckendes Zeugnis
Freitag, 2. Januar 2009
Indigene Kultur – Ideal und Wirklichkeit ...???
Vorerst ist einmal zu beachten, dass ich als Waldviertler möglicherweise einen etwas anderen Blickpunkt einnehme als viele andere Menschen hier. Ich möchte mal damit beginnen, dass ich beschreibe, was möglicherweise Waldviertler und die Dené Tha gemein haben.
In mancherlei Hinsicht ist die Lebenssituation der 1st Nations in Kanada nicht unähnlich jener der Waldviertler vor vielleicht 30 bis 40 Jahren. Die allgemeine gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung hat diese Menschen weit zurückgelassen. Der Grund dafür liegt nicht unwesentlich darin, dass die 1st Nations – teilweise fundamental – andere Wertbegriffe haben, als die Gesellschaft der „Weißen“ (ich nehme dieses Wort einmal generell für „Nicht-Natives“). Eine solche Unterschiedlichkeit in der Wertigkeiten fand sich in nicht unerheblichen Teilen der Waldviertler Bevölkerung. Gepaart mit einer Reihe weiterer benachteiligender Umstände wurde auch das Waldviertel nicht unerheblich abgehängt.
Ein weiterer Punkt ist die Heimatverbundenheit. Das diese bei den Waldviertlern sehr ausgeprägt zu sein scheint, brauch ich ja nicht weiter zu erklären. Bei den Dené Tha ist das Land der Ahnen selbst etwas heiliges. Konnte man vielleicht noch mit dem Nützlichkeitsdenken angelsächsischer Prägung nachvollziehen, warum die Dené in historischer Zeit nicht in den Süden gekommen sind (die anderen Stämme der Prärie haben das erfolgreich verhindert), so könnte man sich ja nun wirklich fragen, warum diese Menschen noch immer in diesem Land leben, wo sie wo anders doch wesentlich einfacher leben könnten. Es ist die oben angeführte Verbundenheit mit dem Land, der diese Menschen nicht weggehen lässt.
Natürlich sind da nicht unerhebliche Unterschiede: z.B. sind die Dené (wie auch andere Stämme) nicht wirklich ambitioniert – d.h. es wird eher erst dann mal etwas gemacht, wann es notwendig scheint, auch gibt es kaum länger anhaltende Planung und der nicht vorhandene Zeitbegriff der nordamerikanischen Urbevölkerung ist sowieso sprichwörtlich (das hat nichts mit Unpünktlichkeit zu tun – alles Tun und Lassen wird wirklich vom Augenblick bestimmt). - Aber aus der nomadischen Kultur von Sammlern und Jägern, zumal in den arktischen und subarktischen Zonen, wird das wohl verständlich – es galt Energie (eigene Körperenergie wie auch Holz) zu sparen, nachhaltig für Generationen mit den wenigen Ressourcen umzugehen und die langen eisigen Winternächte stellen sowieso ganz eigene Anforderungen.
Demnächst geht es weiter mit: Probleme in der Community …
God bless you - und schaut euch noch ein paar Posts darunter an - diesmal habe ich offline auf Vorrat geschrieben und 4 Posts nacheinander eingestellt
